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Natur-Tipps - Frühling

Frühlingsbote Kuckuck - Seinen Ruf kennt jeder, sein Aussehen nur wenige


In volkstümlichen Kinderliedern ist es stets der Kuckuck, der mit seinem Ruf aus dem Wald den Frühling ankündigt. Doch obwohl schon die Kleinsten wissen, wie sich dieser Namen gebende Laut anhört, ist sein Aussehen Vielen unbekannt. Jetzt im Mai ist der ungewöhnliche Sänger aus seinem Winterquartier in Afrika (meist südlich des Äquators) zurückgekehrt - die Entfernung von seinem Geburtsort bis dahin beträgt immerhin stattliche 6.000 bis 7.000 km!

Es lohnt sich, bei Frühlingsspaziergängen auf seinen Ruf zu achten und nach ihm Ausschau zu halten. „Er ist taubengroß und grau mit weißer Quergebänderung an der Bauchseite. Charakteristisch ist seine Haltung beim Sitzen: Die spitzen Flügel hängen nach unten, als ob er müde wäre“, erklärt Jürgen Bosselmann, Mitglied im Landesfachausschuss Ornithologie des NABU Rheinland-Pfalz. Im Flug sei er wegen seiner Gefiedermusterung und der spitzen Flügel leicht mit dem Falken oder Sperber zu verwechseln.

In Rheinland-Pfalz können seine Rufe besonders in den Niederungsgebieten Rheinhessens und der Vorderpfalz gehört werden. Hier brüten in Wiesen, Sumpf- und Schilfgebieten die Vögel, in deren Nester er seine Eier legt. Dagegen ist er in den Höhengebieten vom Westerwald, Pfälzer Wald, der Eifel und des Hunsrücks wesentlich seltener anzutreffen.

Der typische Ruf des Kuckucks ist der Balzlaut des Männchens, mit dem es im Frühling Weibchen anlockt. War sein Werben erfolgreich, legt das Weibchen später 15 bis 20 Eier und zwar jedes einzeln in verschiedene Nester. „Als ‚Gasteltern‘ dient immer die Singvogelart, von der das Weibchen selber großgezogen worden ist“, weiß Bosselmann. Häufig seien dies Bachstelzen, Teichrohrsänger, Rotkehlchen oder Hausrotschwanz, die den Schwindel seltener bemerkten als andere Arten. Farbe und Zeichnung der verhältnismäßig kleinen Eier seien denen der Wirtsvögel angepasst, ein Phänomen, das auch „Ei-Mimikry“ genannt würde. Da die Eier im Legekanal des Weibchens vorgebrütet würden, schlüpfe das Kuckuck-Küken meist als Erstes und beginne sofort, die Eier der „Eltern“ oder die „Geschwister“ aus dem Nest zu werfen. Der Pflegetrieb der Alttiere sei so stark, dass sie ihr „Stiefkind“ trotzdem weiterfütterten.

Die Fortpflanzungsstrategie des Kuckucks ist ungewöhnlich und erfolgreich. Dennoch wird er in einigen Bundesländern auf der Vorwarnstufe zur Roten Liste geführt. Sein Lebensraum, deckungsreiche Kulturlandschaften mit Hecken und Waldrändern, wird zunehmend leergeräumt. Damit verschwindet nicht nur seine Nahrungsgrundlage, etwa Schmetterlingsraupen, die auf Brennnesselwucherungen angewiesen sind. Auch die Gastvogelarten gehen in ihren Beständen zurück. „Noch ist der Kuckuck zahlreich und pünktlich im Frühjahr bei uns anzutreffen. Damit das in Zukunft so bleibt, muss der zunehmenden Landschaftsverarmung, wie sie etwa durch intensiv bewirtschaftete Monokulturen entsteht, Einhalt geboten werden“, fordert Bosselmann.

Über Meldungen von Beobachtungen aus den Höhengebieten von Rheinland-Pfalz freut sich:

Jürgen Bosselmann, Lerchenweg 3, 56727 Mayen,
Fax 0 26 51 / 4 32  14, E-Mail: Juergen.Bosselmann@NABU-RLP.de