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Natur-Tipps - Sommer

Den Wildbienen ins Nest geschaut


So populär die Honigbiene bei uns Menschen ist, so unbekannt sind im Allgemeinen die restlichen ca 500 einheimischen Bienenarten. Rund 40 % der Wildbienenarten gelten bei uns als bedroht. Dabei ist es so einfach, etwas für diese bedrohten Tiere zu tun und gleichzeitig ein intensives Naturerlebnis zu genießen. Wildbienen haben es aus zweierlei Gründen schwer bei uns. Sie sind die „lonesome rider“ unter den Bienen, leben also einzeln (Solitärbienen) und brauchen zur Aufzucht ihrer Brut lediglich eine Röhre. Diese Röhren sind in unseren aufgeräumten Gärten allerdings schwer zu finden. Wir lassen als ordentliche Gärtner keine hohlen Stengel oder durchlöchertes Totholz liegen. Ein grüner, kurz geschorener Rasen muss aus Sicht einer Wildbiene (und auch der meisten anderen Tiere) wie eine grün bemalte Fläche aus Beton erscheinen.

„Was uns überordentlichen Mitteleuropäern Not tut, ist ein Sinn für den Wert ‚unaufgeräumter‘ Natur“ (Geiser,1989).

Hierbei können wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. Schon wenige Quadratmeter Blumenwiese wirken Wunder und locken unzählige Wildbienen schon ab Mitte März an. Als künstliche Nisthilfen eignen sich alle möglichen Röhren, die sie an einer wettergeschützten Südseite anbringen können: Hohle Pflanzenstängel, Strohhalme, Bohrlöcher in Hartholz (kein Weichholz!)…Wenn Sie den Wildbienen ins Nest schauen wollen, können Sie auch einen Beobachtungskasten aus einer Zigarrenkiste oder einer Schublade basteln. Der Kasten muss allerdings windund wasser- und lichtdicht sein. Mit einer Klebepistole befestigte Glasröhren von 0,2 - 0,8 cm Durchmesser ermöglichen einen Einblick in die Kinderstube. Als Lohn winken Ihnen viele neue Naturerlebnisse und Einblicke in die fantastische Welt der Hymenopteren (Hautflügler). Wir können beobachten, wie die Bienen Brutkammern in den Röhren anlegen. Einige Arten lähmen ihre Beutetiere (Spinnen, Blattläuse) und schleppen diese als lebenden Fleischvorrat für ihre Brut in die Kammern. Andere sammeln Pollen und legen darauf je ein Ei. Beobachten kann man dann die Metamorphose vom Ei über die Larve bis zur Puppe. Aufmerksamen Beobachtern entgehen auch nicht die zahlreichen Brutparasiten (z.B. verschiedene bunte Fliegen), die am Nesteingang warten, um in einem unbewachten Augenblick ihr Ei zu dem Wildbienenei zu legen.

von Wolfgang Tschuck