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Natur-Tipps

Tiere und Pflanzen in Rheinhessen: Natur des Jahres 2010


von Anja Grüter u. Karin von Boeckh

Neben dem Vogel des Jahres (gewählt durch den NABU) werden jedes Jahr von verschiedenen Organisationen und Verbänden Tiere, Pflanzen und Landschaften benannt, um auf besondere Gefährdungen in der Öffentlichkeit hinzuweisen. Ausführliche Infos und Tipps finden Sie unter www.NABU.de. Hier eine Auswahl - zusammengestellt von Anja Grüter u. Karin von Boeckh

[ Ameisenlöwe (Foto: J. Gepp) ]
Ameisenlöwe (Foto: J. Gepp)

Wenn man sich die Namen der Tiere und Pflanzen des Jahres 2010 so anschaut, könnte man meinen, dass in diesem Jahr – neben dem Kormoran – auch noch die Zackeneule und die Schleiereule in der Sparte „Vogel des Jahres“ gekürt wurden ... nicht nur der Dachs das Wildtier des Jahres ist, sondern auch noch der Schönbär und der Ameisenlöwe ... und dass erstaunlicherweise auch Frauenhaare und –schuhe ausgezeichnet wurden ...

Aber sehen Sie selbst, welche Tiere und Pflanzen sich hinter diesen Namen verstecken:

Die Zackeneule ist, anders als der Name „verspricht“, ein Nachtfalter und das Höhlentier des Jahres. Zur Überwinterung ist die Zackeneule, die auch Zimteule, Krebssuppe (!), Kapuzinereule oder Zuckereule genannt wird, auf Naturhöhlen, Bergwerksstollen und Felsenkeller angewiesen.

Nein, die „Schleiereule“ ist in diesem Fall kein Vogel, sondern der Pilz des Jahres, mit anderem Namen auch Blaugestiefelter Schleimkopf (man kann sich aussuchen, welcher Name einem besser gefällt).

[ Ameisenjungfer (Foto: J. Gepp ]
Ameisenjungfer (Foto: J. Gepp

Ameisenlöwe ist das Insekt des Jahres. Der Ameisenlöwe ist eine bis zu 17 mm große räuberische Insektenlarve, die sich mit einer erstaunlichen Technik Nahrung verschafft:

Im lockeren, sandigen Boden baut sie einen Trichter, und wenn andere kleine Insekten dort hineingelangen, dann schaffen diese es nicht mehr nach oben zu krabbeln, weil der Sand nachrutscht, so landen sie schließlich beim Ameisenlöwen, der sie mit seinem Greifwerkzeug packt und ein lähmendes Gift injiziert. Das erwachsene Tier, welches nach der Verpuppung im zweiten Jahr schlüpft, nennt sich Ameisenjungfer, ähnelt einer Libelle und hat 35 mm lange durchsichtige Flügel.

Hinter dem Schönbär versteckt sich der Schmetterling des Jahres. Der Schönbär gehört zu den wenigen Nachtfalterarten, die auch tagsüber aktiv sind. Seinen Namen verdankt er seiner auffälligen Färbung und seiner „bärenartigen“ Behaarung als Raupe. Die dichte Raupenbehaarung schützt vor Fressfeinden, die ihre Beute so nur schwer fassen können. Droht dem Falter Gefahr durch Vögel, zeigt er seine leuchtend roten Hinterflügel, die auch im Flug gut zu sehen sind. Damit signalisiert er, ungenießbar zu sein.

[ Dachs (Foto: R. Jürgens, NABU ]
Dachs (Foto: R. Jürgens, NABU

Goldenes Frauenhaar findet sich in nahezu allen Höhenlagen Mitteleuropas und ist das Moos des Jahres, die Bestände sind jedoch aufgrund von Entwässerungen in letzter Zeit zurückgegangen.

Der Frauenschuh ist die Orchidee des Jahres - bereits zum zweiten Mal nach 1996 - und die Blume des Jahres ist die Sibirische Schwertlilie.

Die Vogelkirsche ist der Baum des Jahres. Sie ist die Mutter unserer Süßkirschen und kommt an Waldrändern und in freier Landschaft vor. Sie ist teilweise schlecht von der Kulturkirsche zu unterscheiden. Letztere hat oft am Stamm knollenartige Verdickungen an der Stelle, an der die Bäume gepfropft wurden. Hinsichtlich der Ansprüche an Nährstoffe und Feuchtigkeit ist die Vogelkirsche sehr genügsam, sie kann sogar als Pionierbaum auf Schuttflächen wachsen. Aufgrund ihrer Hitze- und Trockenheitstoleranz kann sie tendenziell vom Klimawandel eher profitieren, weil sie dadurch gegenüber anderen Baumarten konkurrenzkräftiger wird. In der Krone einer freistehenden, ausgewachsenen Vogelkirsche können sich bis zu einer Million Blüten befinden. Im zeitigen Frühjahr sind sie für Bienen, Hummeln und andere Insekten eine der wichtigsten Nektarquellen, weshalb Imker die Kirschblüte sehr schätzen.

[ Kormoran (Foto: F. Möllers, NABU) ]
Kormoran (Foto: F. Möllers, NABU)

Wildtier des Jahres ist der Dachs.

Der Kormoran - vom NABU und LBV zum Vogel des Jahres gekürt - wird Ihnen sicher in diesem Jahr noch an der einen oder anderen Stelle begegnen - entweder in der Natur oder zumindest in den Medien.

Und: Sie sind wahrscheinlich ein Kormoranfreund; aber sind Sie schon „Kormoranfreund“ geworden? Nein? Bitte schauen Sie nach unter www.Kormoranfreunde.de . Dort können Sie einer werden und auch Ihren guten Wunsch für die Kormorane abgeben.