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Natur-Tipps

Tiere und Pflanzen in Rheinhessen: Libellen der Saubachteiche


Im zeitigen Frühjahr 2002 wurden von uns in unmittelbarer Nähe zur Saubachquelle in Jugenheim vier Teiche angelegt. Nach nunmehr zwei Vegetationsphasen bieten unsere Teiche folgendes Bild. Der kleinste Teich am Rande eines kleinen Eschenwäldchens ist stark von Gräsern besiedelt. Auch die beiden unterhalb liegenden Teiche sind an ihren Ufern stark bewachsen und im flachen Wasser wachsen unter anderem reichlich Binsen. Der große Teich verfügt über den geringsten Anteil an Pflanzen und trocknete im Sommer letzten Jahres stärker aus.


[ Weibliche Heidelibelle  (Foto: Peter Wallraven) ]
Weibliche Heidelibelle (Foto: Peter Wallraven)

An diesem Teich konnten die meisten Libelle­narten beobachtet werden. Besonders häufig konnte man dort die beiden Groß­libelle­narten, die Gemeine und die Große Heide­libelle, beob­achten. Zahl­reiche Exuvien­funde belegen auch die Boden­ständig­keit dieser Arten, d. h. sie sind mit Sicher­heit in diesem Gewässer geboren. Auch die häufiger an Pionier­gewässern zu beob­achtende Segel­libelle­nart, der Platt­bauch, wurde dort be­ob­achtet. Zu den Segel­libellen ge­hört auch der Vier­fleck, der die pflanzen­reicheren Teiche be­vorzugt.

[ Große Pechlibelle (Foto: Peter Wallraven) ]
Große Pechlibelle (Foto: Peter Wallraven)

Für drei weniger anspruchsvolle Kleinlibellenarten, die Große Pechlibelle, die Frühe Adonislibelle und die Hufeisen-Azurjungfer, sind Pflanzen im Gewässer ebenfalls unverzichtbar. Schon im ersten Jahr besiedelte die größte heimische Libellenart, die Große Königslibelle, unsere Teiche. Die wenigsten Ansprüche an ihr Gewässer stellt die Blaugrüne Mosaikjungfer, eine fast überall zu findende Großlibellenart. Zu unserer schönsten heimischen Kleinlibelle gehört sicherlich die Gebänderte Prachtlibelle, die wir aber nicht zum Inventar der Teiche zählen können. Als ausschließliche Fließgewässerlibelle kam sie nur zur Stippvisite vom Saubach herüber.

Bestimmte Libellenarten zeigen immer auch die unterschiedlichsten Ausprägungen der Gewässer und damit die Qualität der Teiche an. Je vielfältiger und vielgestaltiger die Gewässer sind, desto höher ist in der Regel die Anzahl der Arten. Wenn unter diesen Arten eine Art zu finden ist, die sich auf der Roten Liste befindet, kann man sich freuen, denn dann scheint man vieles richtig gemacht zu haben.

[ Kleine Pechlibelle (Foto: Jochen M. Müller ©1999) ]
Kleine Pechlibelle (Foto: Jochen M. Müller ©1999)

Deshalb war es umso erfreulicher, dass neben der Großen Pechlibelle auch die wesentlich seltenere Kleine Pechlibelle beobachtet werden konnte. Neben einigen Männchen fand sich auch ein Weibchen, dass durch seine leuchtend orange Färbung beeindruckt. Allerdings steht diese in Rheinland-Pfalz gefährdete Art (R. L. = 3) für vegetationsarme Gewässer, so dass wir damit rechnen müssen, dass sie in den nächsten Jahren bereits wieder abwandert. Da in diesem sehr warmen Sommer keine regelmäßige Kontrolle (alle 14 Tage) stattgefunden hat, fehlen sicherlich noch einige Arten in der Aufzählung, wie zum Beispiel die nur kurze Zeit fliegenden Binsen­jungfern-Arten. Mit etwas Glück und Zuversicht bei intensiveren Kontrollen werden wir wohl im nächsten Jahr noch die eine oder andere neue Art dort entdecken können.
[ Weidenjungfer (Lestes viri-dis). ]
Weidenjungfer (Lestes viri-dis).

Im Sommer 2004 wurden zu den bisher bekannten 11 Libellenarten zwei bisher nicht festgestellte Arten an den Saubachteichen beobachtet. Es handelt sich dabei um eine weitere Art aus der Familie der Segellibellen, nämlich die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum), und eine aus einer weiteren Kleinlibellenart: die Weidenjungfer (Lestes viridis). Diese ist die einzige Art, die mit Hilfe ihres kräftigen Legebohrers ihre Eier in Gehölze ablegt. Der Fund war insofern überraschend, weil mit Ausnahme eines kleinen Weidensämlings noch keine Gehölze an den Teichen wachsen. Trotz des fortschreitenden Zuwachsens des Teiches mit Rohrkolben konnte auch wie im Jahr zuvor die gefährdete Kleine Pechlibelle (Ischnura pumilio) beobachtet werden.

von Herbert Kiewitz