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Natur-Tipps

Tiere und Pflanzen in Rheinhessen: Die Tagfalter und Widderchen des Bleichkopfs


Der Bleichkopf bei Jugenheim hat mit seinem großen Südhang sehr gute Vor­aus­setzungen, eine Oase für wärme­liebende Tiere und Pflanzen von Mager­standorten inmitten der rhein­hessischen Wein­felder zu werden. Ins­besondere an den steilsten Hang­stellen, die sich am stärksten aufheizen und auch die nährstoff­ärmsten Böden besitzen, wird der Weinbau zunehmend ein­gestellt und größere Bereiche sind bereits brach gefallen.

Dies ist eine Chance für den Natur­schutz! Deshalb begann unsere NABU-Ortsgruppe diese Brachen aufzukaufen, um auf ihnen durch geeignete Pflege wärme­liebende Kalk­mager­rasen mit ihrer typischen Flora und Fauna zu ent­wickeln.

Für die Aus­arbeitung eines ent­sprechenden Pflege­programms ist es jedoch not­wendig, das aktuelle Arten­inventar zu kennen. Einen ersten Schritt hat hierbei NABU-Mitglied W. Hasselbach (Alzey) im Jahr 1999 getan und insgesamt 20 Tagfalter- und 2 Widderchen­arten auf unseren Flächen nach­gewiesen.

Wir haben im Jahr 2000 in einem Zeitraum von Anfang Mai bis Mitte September die Bleichkopf-Flächen in wöchentlichen Intervallen systematisch kartiert, indem wir auf ihnen insgesamt sieben Beobachtungs­streifen anlegten, entlang derer wir während der Begehungen alle Falter notierten. Hierbei konnten wir insgesamt 21 Tagfalter- und 4 Widderchen­arten feststellen. Mit den Unter­suchungen von W. Hasselbach ergibt sich somit eine Gesamtzahl von 28 Arten. Drei in 1999 nach­gewiesene Arten - Thecla betulae (Nieren­fleck), Lycaena phlaeas (Kleiner Feuer­falter) und Issoria lathonia (Kleiner Perl­mutt­falter) - konnten in 2000 nicht ge­funden werden, wohin­gegen insgesamt 6 neue Arten nach­gewiesen wurden: Polyommatus agestis (Kleiner Sonnen­röschen-Bläuling), Polyommatus semiargus (Rotklee-Bläuling), Clossiana dia (Mager­rasen-Perl­mutter­falter), Lasiommatus megera (Mauer­fuchs), Zygaena carniolica (ein Widderchen) und Zygaena viciae (ein Widderchen).

Von diesen Neunachweisen ist insbesondere das Auftreten von Clossiana dia bemerkens­wert, der auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet aufgeführt wird und in Rheinland-Pfalz sogar als stark gefährdet eingestuft wurde. Auch Polyommatus agestis und P. semiargus werden auf beiden Roten Listen in der jeweils untersten Gefährdungs­klasse auf­geführt. Von den Widderchen wird Zygaena carniolica deutschland­weit als gefährdete Art angesehen und Zygaena viciae in der Vorwarn­liste geführt.

Als besonders erfreulich müssen auch die Individuen­zahlen einiger Rote Listen-Arten angesehen werden. So wurden entlang der Beobachtungs­strecken insgesamt etwa 200 Individuen des Bläulings Polyommatus agestis gezählt, was etwa 12% aller beobachteten Falter entspricht. Auch die Widderchen Zygaena carniolica (28 Falter) und Zygaena loti (25 Falter) waren recht zahlreich vertreten.

Die Gesamtzahl (Summe über alle Begehungen) an Individuen entlang der Beobachtungs­streifen lag mit etwa 1700 Faltern erfreulich hoch. Hiervon entfiel insgesamt ein Drittel auf die beiden sehr häufigen Weißlings­arten Pieris napi (Rapsweißling) und Pieris rapae (Kleiner Kohlweißling). Auch sehr zahlreich waren die weit verbreiteten Arten Melanargia galathea (Schachbrett) mit etwa 17% und Coenonympha pamphilus (Kleiner Heufalter) mit etwa 11%.

Im Gegensatz zu dieser Dominanz weit verbreiteter und häufiger Arten sind alle selten ge­fundenen Arten typische Vertreter von Mager­standorten. Sie unter­streichen die derzeitige Bedeutung des Bleich­kopfs für typische Mager­standort-Arten und lassen das nicht zu unter­schätzende Entwicklungs­potential erahnen. Eine Unter­suchung der Vegetation ergab zusätzlich, dass der Bleich­kopf zahlreiche Zeiger­pflanzen von trockenen Mager­standorten eines wärme­begünstigten Gebiets aufweist, was wohl etlichen an solche Habitate angepassten Falter­arten ein Überleben in diesem Bereich ermöglichen wird. Zusätzlich besteht die Möglich­keit, dass der Bleich­kopf von weiteren gefährdeten Arten, die in der Umgebung noch existieren, besiedelt wird. Hierdurch könnte die Anzahl an Arten und die Bedeutung des Bleich­kopfs als Mager­standort "Art für Art" steigen.

Hinweise auf ein zusätzliches Arten­potential in der nahen Umgebung des Bleich­kopfs haben begleitende Unter­suchungen ergeben, bei denen zwei weitere Arten fest­gestellt wurden: Cupido minimus (Zwergbläuling) und Celastrina argiolus (Faulbaum-Bläuling). Insbesondere das Auf­treten des Zwerg­bläulings ist bemerkens­wert, da diese Mager­wiesen­art in Rheinland-Pfalz als stark gefährdet angesehen wird.

Um dieses Potential soweit wie möglich zu fördern, sollte die Fläche in den nächsten Jahren zu einem diversen Mosaik an unter­schiedlichen Mager­rasen­typen entwickelt werden. Hierbei sollten unter­schiedliche Pflege­maßnahmen wie Schaf­beweidung, Sommer- und Herbstmahd in Kombination eingesetzt werden. Um eine optimale Diversität zu gewähr­leisten, sollten diese mit unter­schiedlich alten mageren Brache­strukturen vernetzt werden. Wir hoffen, dass durch solche Maß­nahmen die Arten und Individuen­zahl bedrohter Falter der Mager­rasen und sonstiger auf diese Habitate angewiesener Arten zunehmen wird und der Bleich­kopf sich zu einem "Lebensquell" für sie entwickelt.