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Natur-Tipps - Winter

Richtigverstandene Winterfütterung von Vögel


Sobald es im Spätherbst draußen ungemütlich wird, die Nachttemperaturen auf den Nullgradwert abzusinken drohen und sich sogar die ersten Schneefälle ankündigen, fragen sich viele Menschen, was sie für die frierende Vogelwelt in ihrer Umgebung tun können.

„Gegen die richtige Winterfütterung von Vögeln ist nichts einzuwenden“, erklärt Siegfried Schuch, Landesvorsitzender des NABU Rheinland-Pfalz. Vögel zu füttern und zu beobachten sei eine gute Möglichkeit, den Kontakt zur Natur herzustellen und sich mit Tieren und ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. „Solange die Tiere jedoch noch selbst in der Lage sind, auf dem Erdboden Insekten oder Körner zu finden, brauchen sie keine Hilfe von Menschen“, so Schuch weiter.

Immer wieder tauchen schon ab September jeden Jahres, also noch bevor die ersten Fröste einsetzen, Empfehlungen auf, die bei uns überwinternden Vogelarten durch ein regelmäßiges Futterangebot an das Vogelhaus zu gewöhnen, um sie dann den ganzen Winter hindurch zu füttern. Diese falsch verstandene Tierliebe hilft allenfalls der Futtermittelindustrie (Umsatz jedes Jahr: mehrere hundert Millionen Euro), nicht jedoch den Vögeln.

Denn fast immer wird übersehen, dass die hier überwinternden Vögel wichtige Funktionen im Naturhaushalt übernehmen. So erbeuten sie auch im Winter Insekten und leisten damit einen Beitrag zur natürlichen Schädlingsbekämpfung, erklärt Siegfried Schuch. „Durch die Winterfütterung werden die Vögel von ihrer eigentlichen und natürlichen Futterquelle abgelenkt. Statt Blattlauseier fressen sie nun Pinienkerne, was zu unerwünschten Auswirkungen auf die natürlichen Kreisläufe in den Gärten und Siedlungen führt, wenn im Frühjahr der Wettlauf zwischen Pflanzen und Insekten beginnt.“

Wer füttern möchte, weil er sonst wildlebende Vögel nicht so nah zu Gesicht bekommt, sollte jedoch einige Grundregeln beherzigen, damit er seinen Gästen nicht mehr Schaden zufügt, als er ihnen hilft:
  • Füttern Sie nur bei geschlossener Schneedecke oder anhaltendem Frost.
  • Stellen Sie die Futterstelle wind- und regengeschützt sowie vor Beutegreifern und Straßenverkehr sicher auf. Es darf keine ständige Störung durch vorbeigehende Spaziergänger erfolgen. Die Vögel verbrauchen unnötig Energiereserven, wenn sie fortwährend auffliegen. Und: Die nächste Glasscheibe sollte mindestens 2 Meter weit weg sein.
  • Futterstellen sauber halten, Kot darf nicht ins Futter gelangen; täglich nur wenig nachfüttern. Futter nicht auf den Boden streuen - durch den Kot der Vögel kommt es schneller zur Übertragung von Krankheitserregern. Herkömmliche Futterhäuschen regelmäßig mit heißem Wasser reinigen.
  • Keine salzhaltigen oder gewürzten Speisereste (z.B. Brot, Käserinde) füttern - die Vögel verdursten sonst. Körnerfresser wie Finken, Sperlinge und Ammern bevorzugen Sonnenblumenkerne und Freiland- Futtermischungen. Für Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Meisen, Amseln und Zaunkönige eignen sich Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie und Meisenknödel.

Am besten ist es aber, man verwendet das Futtergeld für die Investition in beerentragende Sträucher und Bäume, mit denen der Vogelwelt langfristig geholfen werden kann. Im Garten angepflanzt, bieten Schwarzer Holunder, Stechpalme und Konsorten nicht nur eine Augenweide für alle Jahreszeiten, sondern bilden auch eine natürliche Nahrungs- und Lebensgrundlage für Vögel und andere Tiere. Auch dicke Laubschichten, in denen Insekten versteckt sind, und abgeblühte Samenstände von Stauden bieten den überwinternden Vogelarten ein reichhaltiges Nahrungsangebot.

Weitere Informationen bietet die 64-seitige Farbbroschüre „Vögel im Garten“ (DIN A5), zu bestellen gegen Einsendung von sechs 55-Cent-Briefmarken beim NABU Rheinland-Pfalz, Postfach 1647, 55006 Mainz oder im Internet unter www.NABU-RLP.de.