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NABU-Flächen: ein Stück Biodiversität



[ NABU-Flächen: Speierling-Wiese mit Brachen ]
NABU-Flächen: Speierling-Wiese mit Brachen

Wir kaufen Flächen

Dankenswerterweise hat uns die Landesstiftung „Natur und Umwelt“ (in Zusammenarbeit mit der Lotterie GlücksSpirale) wieder einen Zuschuß zum Kauf von ökologisch wertvollen Flächen am Bleichkopf (und für einen elektrischen Weidezaun) gewährt.

Unser Projekt Bleichkopf ist eine Insel in der ausgeräumten, intensiv bewirtschafteten Landschaft Rheinhessen. Es gilt, diese Insel sicher zu schützen und zu einer Arche Noah zu entwickeln, damit die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten nicht einer neuen Intensivierung oder einer völligen Verbuschung oder gar einer Versiegelung zum Opfer fällt. Daher wollen auch wir unsere NABU-Flächen weiterhin vergrößern und abrunden und durch weitere Trittsteine vernetzen.

Sollten Sie daher eine verkäufliche Fläche in unserem Projektgebiet Bleichkopf besitzen oder kennen, so informieren Sie uns !



Erfolgreiche Flächenbilanz 1972 – 2009

Im NABUlletin 02/2009 (Seite 24) haben wir von unseren Alt-Flächen berichtet, die zwischen 1972 und 1995 vom NABU Mainz gekauft oder gepachtet worden sind. 1998 war Start für unsere Projekte Bleichkopf + Saubach in unserer Schwerpunktgemeinde Jugenheim, wobei ab 2006/07 auch Waldparzellen im dortigen „Klauer“ hinzukamen. Zum 10-jährigen Jugenheim-Geburtstag haben wir 2008 (und 2009) noch einmal kräftig aufgestockt (siehe NABUlletin 02/2008, Seite 11, und 01/2009, Seite 28).

[ Neue Fläche 2008: ehem. Wingert am Goldberg (Foto: Ortsbürgermeister Herbert Petri, Jugenheim) ]
Neue Fläche 2008: ehem. Wingert am Goldberg (Foto: Ortsbürgermeister Herbert Petri, Jugenheim)

Nach Abschluss aller Kaufverträge können wir jetzt Bilanz ziehen:
Der NABU Mainz und Umgebung (vielfach ist der NABU-Landesverband der formale Eigentümer) besitzt insgesamt 9,2 ha und hat weitere 6,2 ha als Pacht oder mit Pflegevertrag in seine Obhut genommen, insgesamt also stattliche 15,4 ha. Davon liegen 2,1 ha als Wald im Jugenheimer Klauer und 9,7 ha auf Jugenheimer Wiesen und Brachen.

Wichtige Flächenpflege

Wir sind stolz auf unsere vielfältigen Schutzflächen als Beitrag zur rheinhessischen Biodiversität. Durch Mahd und Beweidung pflegen wir regelmäßig 10,7 ha, davon 8,6 ha in Jugenheim. Wir wollen damit ein Stück rheinhessische Natur bewahren und Flora und Fauna aktiv fördern. Auch 2009 haben wir erfolgreich daran gearbeitet:

Kleine Mittwochsgruppe: Vom 22.07.2009 bis 26.08.2009 hat eine kleine Gruppe fleißig in Jugenheim zugepackt, nämlich Ausrupfen des tiergefährlichen Kreuzkrautes auf Schafflächen, Zurückstutzen von Gebüsch und Nachmahd nach Schafbeweidung.

Wie immer fanden auch größere Ortsgruppeneinsätze statt, diesmal von Heike Klüppelberg koordiniert und teilweise wieder mit der Beteiligung des Internationalen Bundes IB:
  • 01.08.: im Oberen Gehölz am Bleichkopf und am Goldberg (bei der neuen NABUBank)
  • 22.08.: rund um unsere Neuborn-Flächen
  • 05.09.: Saubachteiche und am Schleeberg
  • 17.10.: Bodenheimer Auwiese
  • 31.10.: Essenheimer Weinbergsbrache und Nieder-Olmer Autobahn-Wiese
  • 02.11.: Draiser Kirschwiese
  • 12.12.: Heiligenhäuschen und Speierlings-Wiese
Es wurde gemäht und abgeräumt, und es wurden Sträucher freigestellt. Zum Saison-Abschluss servierte Suze Trouw Indonesische Hackbällchen.

[ Teich in der Selztal-Landesfläche (Foto: Armin Scherer) ]
Teich in der Selztal-Landesfläche (Foto: Armin Scherer)

Schafe: Unsere unverzichtbaren Landschaftspfleger aus der Herde von Heinfried Greß haben auch 2009 zahlreiche Flächen kurz gehalten.

Selzfläche: Zwischen Nieder-Olm und Stadecken, schräg gegenüber eines Modellfliegerplatzes, liegt die reizvolle „Selz-Landesfläche“ (teilweise im Besitz des Selzverbandes), auf der wir jahrelang die Herkulesstaude und die Zackenschote bekämpft haben. Im folgenden Artikel „Entstehung eines Biotops“ schildert unser Flächenbetreuer Armin Scherer, welche „Pfleger“ uns ab Mitte Juli die Arbeit abgenommen haben. Anfangs genossen diese Pfleger, eingezäunt durch 3 stabile Elektrokabel an Holzpfählen, alle Gräser einschließlich Schilf, später aber auch Brennnesseln, Disteln, Zackenschote usw., mussten aber am Ende Zufütterung erhalten. Es war ein voller Erfolg, der nicht einmal Trittschäden hinterlassen hat.



[ Highland-Rinder (Foto: Armin Scherer) ]
Highland-Rinder (Foto: Armin Scherer)

Entstehung eines Biotops


Nach jahrelanger Pflege einer Parzelle direkt an der Selz zwischen Stadecken-Elsheim und Nieder-Olm reifte die Idee heran, man könnte mehr aus dieser Fläche machen.

Nach Anfrage und Begehung mit dem Besitzer der Fläche, dem Selztalverband, wurde man sich schnell einig – ein Teich war in Planung. Der Selztalverband übernahm die Kosten und wir die zukünftige Entwicklung und Pflege des entstehenden Biotops.

Im Februar 2005 rollte der Bagger an und in knapp einer Woche war ein Teich von 70 m Länge, 15 m Breite und 2,5 m Tiefe parallel zur Selz entstanden. Der Bagger leistete ganze Arbeit, die Fläche glich nachher einer Mondlandschaft. Aber wir hatten Wasser im Teich!

Nach dem Zuschaufeln der Baggerspuren und dem Glatteggen der gesamten Fläche pflanzten wir noch an 3 Seiten des Teiches je eine echte europäische Schwarzpappel (rote Listenart). Im ersten Jahr wuchs die Fläche übermannshoch wieder zu und wir hatten im Herbst einen größeren Mäheinsatz. Wir erkannten auch sehr schnell, dass die Wasserhöhe des Teiches stark vom Wasserstand der Selz abhing und nicht, wie anfangs vermutet, vom Hangwasser der benachbarten Flächen.

Der Selztalverband legte daraufhin einen alten Baumstamm in die Selz und wir haben seitdem durch den leichten Rückstau eine befriedigende und konstante Wasserhöhe im Teich.

Durch die unmittelbare Nähe von stehendem (Teich) und fließendem Gewässer (Selz) gab es auch eine starke Zunahme der Libellenpopulation. Gebänderte Prachtlibelle, Azurjungfer, Plattbauch und andere Arten sind vertreten. Im folgenden Jahr fanden wir große Ballen von Froschlaich, der jedoch öfter von den Enten dezimiert wird. Auch der Graureiher ist häufiger Gast. Links und rechts des Teiches befinden sich 2 kleinere Schilfflächen, die gute Deckungsmöglichkeiten für Tiere sowie Nistmöglichkeiten für Vögel bieten. Diese Schilfflächen werden nicht gemäht.

Anfangs machte uns der zunehmende Bewuchs mit Rohrkolben einige Sorgen, da er die ganze Wasserfläche langsam bedeckte. Inzwischen haben wir aber einen natürlichen Helfer, eine Bisamratte. Diese nagt die Rohrkolben ab und reguliert so den Bewuchs.

Dieses Jahr (2009) haben wir die Fläche im August / September von schottischen Highland-Rindern eines benachbarten Rinderhalters beweiden lassen. An anderer Stelle wurden gute Erfahrungen damit gemacht. Da die Fläche um den Teich beim jährlichen Mäheinsatz unsere arbeitsintensivste ist, hoffen wir, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: das Mähen und Abräumen einsparen, und große Mengen an Grünschnitt entfallen auch.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Erfahrungen gut, denn 3 Rinder schafften in 3 Wochen das, was sonst 10 Leute in 5 Stunden schweißtreibendem Mäheinsatz bewältigten.

Wir hoffen, dass in Zukunft noch mehr solcher Biotope in mittelbarer Nachbarschaft entstehen, als Ausgleich für die intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen in Rheinhessen.



Eine Mainzer Exklave in der Niederlausitz


von Rainer von Boeckh

[ Grünhaus (Foto: Volkhard Lorenz) ]
Grünhaus (Foto: Volkhard Lorenz)

So überschrieb die Mainzer Allgemeine Zeitung am 16.10.2009 einen Artikel, um zu melden, dass unser Projektgebiet ganz offiziell durch einstimmigen Beschluss der Stadtverordneten von Finsterwalde im Sept. 2009 „Mainzer Land“ heißen soll. Die interne Arbeitsbezeichnung ist jetzt amtlich: Unser „Mainzer Land“ ist als Mainzer Exklave in der brandenburgischen Niederlausitz verortet!

Und Sie alle, die Zustifter, Paten und Spender, haben dazu unverzichtbar beigetragen. Und immer wieder lassen sich weitere Naturfreunde für dieses Naturparadies begeistern und stoßen als neue Förderer zu unserer großen Projektfamilie:
  • Dr. Gerd Vogt, Meerbusch (Pate)
  • Tom Prath, Mainz (Zustifter)
  • Michael Heraeus, Einbeck (Spender)
  • Prof. Egon Trübenbacher, Mainz (Spender)
  • Christian Zindler, Mainz (Pate)
  • Helga Kaneke-Reeber, Niedernhausen (Patin)
Herzlichen Dank allen neuen Unterstützern! Ihr Geld ist hervorragend zu Gunsten der Natur angelegt! Herzlichen Dank auch an die Naturfreunde, die eine Mainzer-Land-Patenschaft verschenken (z.B. über NABU-Stiftung Nationales Naturerbe (NaturErbe.de) ).