Kalkmagerrasen auf dem Bleichkopf
Bleichkopf
Zu den Aufgaben des praktischen Naturschutzes gehört immer wieder das Zurückdrängen invasiver Pflanzenarten.
Auch im Frühjahr 2010 sind Vorstandsmitglied Heinfried Greß und andere gegen die aggressive Orientalische Zackenschote
und gegen das für Weidetiere so gefährliche Jakobskreuzkraut vorgegangen.
Dafür wurden wir durch ein gutes Orchideenjahr belohnt. Und unsere Trockensteinmauern sind dank Internationalem Bund (IB) weiter gewachsen.
Seit 1998 kaufen wir mit Unterstützung der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz Weinbergsbrachen auf
dem Bleichkopf, einem Höhenzug nördlich von Jugenheim. Mit seinem großen Südhang bietet er
beste Voraussetzungen, sich zu einer Oase für wärmeliebende Tiere und Pflanzen von Magerstandorten zu
entwickeln. Durch zielgerichtete Pflege, wie Entbuschungsmaßnahmen und eine extensive Beweidung mit
Schafen, ist dort eine artenreiche Kulturlandschaft entstanden.
Gemeinsame Arbeit an der Saubach-Wiese (Foto: Cordula Mueller, Maria Ward-Schule, Mainz)
Kalkmagerrasen
Weite Gebiete Rheinhessens waren ehemals von Wäldern bedeckt, bevor es von Menschen besiedelt wurde. Die klimatischen
Bedingungen, warm und relativ niederschlagsarm, begünstigten vor allem Eichen-Hainbuchen-Wälder. Auch heute gilt für den
Bleichkopf als sog. heutige potenzielle natürliche Vegetation (hpnV) auf den oberen steileren Hängen ein
Traubeneichen-Hainbuchen-Wald und in den unteren, stärker weinbaulich genutzten Bereichen ein Stieleichen-Hainbuchen-Wald.
Aber wo sind die Eichen und Hainbuchen? Bei einer Kartierung des Bleichkopfs 2001 durch Christian Weingart wurden vom Heiligenhäuschen im Osten bis zum Neuborn im Westen keine Hainbuchen, keine Traubeneichen und lediglich eine Handvoll verkrüppelter Stieleichen-Sträucher gefunden. Auf der anderen Talseite im Jugenheimer Wäldchen dagegen wachsen erwartungsgemäß Stieleichen (Traubeneichen: unbekannt) und Hainbuchen in großer Zahl.
Die Winzer berichten, dass in ihren Weinbergen immer wieder Eichensämlinge aufkeimen, die dann allerdings durch die Bewirtschaftung stets vernichtet werden.
Warum tragen Tiere die Nussfrüchte der Hainbuche und die Eicheln aus dem Wäldchen nicht in die Brachen und Feldgehölze am Bleichkopf?
Nun, die Lösung ist uns erst kürzlich bewusst geworden: Besonders bevorzugte Äsungspflanzen der Rehe sind ausgerechnet die Hainbuche und die Eiche (auch Ulmen)! Der viel zu hohe Rehwildbestand rund um Jugenheim hat die heimischen Eichen und Hainbuchen am Bleichkopf ausgerottet oder mindestens eine Naturvermehrung verhindert!
Es ist eine reizvolle Aufgabe für den NABU, am Bleichkopf auf ausgewählten Flächen Eichen und Hainbuchen regionaler Herkunft (= autochthon) zu pflanzen oder Keimlinge durch Zäune zu schützen. Auf natürliche Weise kommen jedoch diese typisch rheinhessischen Bäume, die Jahrtausende lang die Landschaft prägten, nur durch deutliche Reduzierung des Rehwildbestandes zurück!
Aber wo sind die Eichen und Hainbuchen? Bei einer Kartierung des Bleichkopfs 2001 durch Christian Weingart wurden vom Heiligenhäuschen im Osten bis zum Neuborn im Westen keine Hainbuchen, keine Traubeneichen und lediglich eine Handvoll verkrüppelter Stieleichen-Sträucher gefunden. Auf der anderen Talseite im Jugenheimer Wäldchen dagegen wachsen erwartungsgemäß Stieleichen (Traubeneichen: unbekannt) und Hainbuchen in großer Zahl.
Die Winzer berichten, dass in ihren Weinbergen immer wieder Eichensämlinge aufkeimen, die dann allerdings durch die Bewirtschaftung stets vernichtet werden.
Warum tragen Tiere die Nussfrüchte der Hainbuche und die Eicheln aus dem Wäldchen nicht in die Brachen und Feldgehölze am Bleichkopf?
Nun, die Lösung ist uns erst kürzlich bewusst geworden: Besonders bevorzugte Äsungspflanzen der Rehe sind ausgerechnet die Hainbuche und die Eiche (auch Ulmen)! Der viel zu hohe Rehwildbestand rund um Jugenheim hat die heimischen Eichen und Hainbuchen am Bleichkopf ausgerottet oder mindestens eine Naturvermehrung verhindert!
Es ist eine reizvolle Aufgabe für den NABU, am Bleichkopf auf ausgewählten Flächen Eichen und Hainbuchen regionaler Herkunft (= autochthon) zu pflanzen oder Keimlinge durch Zäune zu schützen. Auf natürliche Weise kommen jedoch diese typisch rheinhessischen Bäume, die Jahrtausende lang die Landschaft prägten, nur durch deutliche Reduzierung des Rehwildbestandes zurück!
Fauna und Flora des Bleichkopfs
Bei den vom NABU initiierten Bestandsaufnahmen wurden zahlreiche Arten der Roten Liste gefunden.
Auf dem Bleichkopf konnten insgesamt ca. 360 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen nachgewiesen werden.
Darunter befinden sich 21 Arten der Roten Listen von Rheinland-Pfalz und Deutschland. Die Flora des
Bleichkopfs wird am eindrucksvollsten durch die Orchideen repräsentiert.
Von der alljährlichen Blütenvielfalt profitieren zahlreiche Schmetterlingsarten. Insgesamt konnten bei zwei Erfassungen 28 Tagfalter und Widderchen nachgewiesen werden. Davon sind 5 Arten auf der Roten Liste von Rheinland-Pfalz und Deutschland zu finden.
Von der alljährlichen Blütenvielfalt profitieren zahlreiche Schmetterlingsarten. Insgesamt konnten bei zwei Erfassungen 28 Tagfalter und Widderchen nachgewiesen werden. Davon sind 5 Arten auf der Roten Liste von Rheinland-Pfalz und Deutschland zu finden.
Ein wahrscheinlich einzigartiger Fund in Rheinhessen: Ackerrose (Rosa agrestis) auf der NABU-Fläche am Heiligenhäuschen in Jugenheim
Wildrosenvielfalt in Rheinhessen und Mainz
Wie sieht es nun in Rheinhessen mit den Wildrosen aus? Rheinhessen und Mainz sind als kalkreiche Gegenden äußerst wildrosenreich!
18 Wildrosenarten konnten wir bislang hier finden. Wenn man bedenkt, dass von den rund 30 mitteleuropäischen Wildrosenarten rund 10 Arten
auf die Gebirge (v. a. die Alpen) und Küsten beschränkt sind, sind das fast alle der rund 20 Arten, die hier überhaupt vorkommen
könnten!
Folgende Arten und Kreuzungen (Wildrosen können sich selten auch untereinander kreuzen!) wurden von uns bisher in Rheinhessen und Mainz gefunden (mit abnehmender Häufigkeit):
Bleichkopf bei Jugenheim
Auch auf und am Bleichkopf, dem Schwerpunkt der Schutzgebiete des Mainzer NABU, kommen erfreulicherweise neben den häufigen auch die „rheinhessischen“ Arten vor und sogar als ganz große Seltenheit die Ackerrose, die ich für Mainz und Rheinhessen bisher nur von hier und nur in 2 Exemplaren kenne!
Folgende Arten haben wir bisher auf oder am Bleichkopf gefunden:
Alle Bleichkopf-Rosen (außer der häufigen Hundsrose) werden im Standardwerk von Blaufuss & Reichert (Pollichia-Buch Nr. 26, 1992) für
Rheinhessen als sehr selten bis sehr zerstreut bezeichnet.
Folgende Arten und Kreuzungen (Wildrosen können sich selten auch untereinander kreuzen!) wurden von uns bisher in Rheinhessen und Mainz gefunden (mit abnehmender Häufigkeit):
- Hundsrose (Rosa canina)
- Weinrose (Rosa rubiginosa) ✱
- Buschrose (Rosa corymbifera)
- Fast-Hundsrose (Rosa subcanina)
- Flaumrose (Rosa tomentella) ✱
- Rauhblattrige Rose (Rosa jundzillii) ✱
- Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia) ✱
- Fast-Buschrose (Rosa subcollina)
- Feldrose (Rosa arvensis)
- Schuttrose (Rosa vosagiaca)
- Sammetrose (Rosa sherardii)
- Lederrose (Rosa caesia)
- Wein- x Bibernellrose (Rosa x biturigensis) ✱
- Sammet- (?) x Bibernellrose (Rosa sherardii (?) x pimpinellifolia)
- Filzrose (Rosa tomentosa)
- Kratzrose (Rosa pseudoscabriuscula)
- Kleinblutige Rose (Rosa micrantha)
- Ackerrose (Rosa agrestis)
- Nelkenrose (Rosa caryophyllacea)
- Keilblattrige Rose (Rosa elliptica)
- Essigrose (Rosa gallica)
- Feld- x Essigrose (Rosa arvensis x gallica)
Bleichkopf bei Jugenheim
Auch auf und am Bleichkopf, dem Schwerpunkt der Schutzgebiete des Mainzer NABU, kommen erfreulicherweise neben den häufigen auch die „rheinhessischen“ Arten vor und sogar als ganz große Seltenheit die Ackerrose, die ich für Mainz und Rheinhessen bisher nur von hier und nur in 2 Exemplaren kenne!
Folgende Arten haben wir bisher auf oder am Bleichkopf gefunden:
| Art | Fundort | Flur | Stück |
|---|---|---|---|
| Hundsrose | überall | - | - |
| Weinrose | Friedenskreuz / Westgehölz + Bleichkopf / Oberes W-Gehölz |
3 2 |
129 24 |
| Buschrose | Heiligenhäuschen West | 1 | 13/14 |
| Fast-Hundsrose | Engelstadt + Bleichkopf / Südseite (mehrfach) |
9 ? |
372/2 ? |
| Flaumrose | Bleichkopf/ Unteres Gehölz + Bleichkopf / Südseite (mehrfach) |
2 ? |
39+40 ? |
| Rauhblättrige Rose | Bleichkopf / Speierlingswiese Ost | 2 | 35 |
| Bibernellrose | Engelstadt / Hangkante oben | 7 | 310 |
| Ackerrose | Heiligenhäuschen West + Goldberg / Kurve Ost |
1 3 |
13 167 |
Brauner Grashüpfer
Beitrag zur Erfassung der Heuschrecken
Es wurden 3 Heuschreckenarten festgestellt.
Im Bereich der Weinbergsflächen wurde der Braune Grashüpfer (Chorthippus brunneus) 25x gefunden. In den
Wiesenbereichen des Bachtals, die teilweise noch mit Luzerneflächen verzahnt sind, wurde als weitere Art das Grüne
Heupferd (Tettigonia viridissima) 3x und in den gehölznahen Bereichen auf Sträuchern die Punktierte Zartschrecke
(Leptophyes punctatissima) 2x gefunden.
Aufgrund der vorhandenen vielseitigen Biotoptypen ist bei entsprechend gründlicher und genauer Untersuchung der Heuschrecken mit dem Nachweis weiterer Arten zu rechnen. Vor allem für Arten wie den Steppengrashüpfer (Chorthippus vagans) oder das Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), die gerne Weinbergsbrachen besiedeln, sind durch die immer größer werdenden Brachflächenanteile und deren Vernetzung geeignete Lebensräume am Bleichkopf entstanden, so dass die Feststellung dieser Arten zukünftig durchaus im Bereich des Möglichen liegt.
Aufgrund der vorhandenen vielseitigen Biotoptypen ist bei entsprechend gründlicher und genauer Untersuchung der Heuschrecken mit dem Nachweis weiterer Arten zu rechnen. Vor allem für Arten wie den Steppengrashüpfer (Chorthippus vagans) oder das Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), die gerne Weinbergsbrachen besiedeln, sind durch die immer größer werdenden Brachflächenanteile und deren Vernetzung geeignete Lebensräume am Bleichkopf entstanden, so dass die Feststellung dieser Arten zukünftig durchaus im Bereich des Möglichen liegt.
![[ Weißstorch - Foto: Frank Derer ] [ Weißstorch - Foto: Frank Derer ]](/img/kopf/storch.jpg)
