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Projekt Schwalben

Schwalben willkommen (II)


von Christian Riedel

Das ist ein erfolgreiches Projekt des NABU Rheinland-Pfalz! Wir vom NABU Mainz haben seit 2009 allein 40 Familien ausgezeichnet! Zuletzt im November 2010 - mit schönen Artikeln in vier Zeitungen! Hier wieder der persönliche Bericht [01/2011]

[ Die Aktion in Bodenheim - links 4 Pressevertreter (Foto: Josua Dietze) ]
Die Aktion in Bodenheim - links 4 Pressevertreter (Foto: Josua Dietze)

(Mehl- und Rauch-)Schwalben sind in ihrem Bestand als Art gefährdet und deshalb besonders schutzbedürftig. Umso wichtiger ist es, dass Menschen sich liebevoll um Schwalben kümmern und z.B. günstige Voraussetzungen schaffen für Nestbau und Aufzucht der Jungvögel. In Gau-Bischofsheim staunten wir beim Besuch der Familie Engel über ca. 10 Mehlschwalbennester unter dem Dachvorsprung an der Außenwand ihres Hauses. Dorothea, die 9jährige Tochter, wusste aufgrund ihrer genauen Beobachtungen erstaunlich viele Einzelheiten zu berichten - gipfelnd in ihrem Ausruf: „Ich liebe diese Vögel!“ Stolz las sie den Text der Dankes-Urkunde vor und suchte im Eingangsbereich des Hauses eine geeignete Stelle für die Wand-Plakette aus.

In Bodenheim hatten sich vor dem Haus des Ortsbürgermeisters inzwischen 2 vogelbegeisterte Familien (Becker-Theilig und Dußa) eingefunden und bildeten mit den zahlreich erschienen Pressevertretern eine muntere, lebhaft und sachkundig diskutierende Gruppe. Nach Überreichung der 2 Urkunden und Plaketten gaben wir NABU-Leute noch den Rat, im Frühjahr zusätzlich Wassergefäße mit lehmhaltigem Sandmatsch aufzustellen, um den Nestbau zu unterstützen.

Diesen Ratschlag brauchten wir der Familie Gill auf ihrem Weidenhof nicht zu geben angesichts großer Wasser-Sand-Pfützen dort. Dazu der Kommentar von Frau Gill: „Man braucht ja auch nicht gleich alles einzuebnen (=asphaltieren)“. Auch Frau Gill erwies sich als sehr erfahren im Umgang mit Schwalben aufgrund jahrelanger Beobachtungen auf ihrem Hof. Sichtlich erfreut nahm sie Urkunde und Plakette entgegen.

Alle diese Begegnungen mit begeisterten und sehr sachkundigen Vogelfreunden waren für mich sehr beeindruckend; und treffend titelte die MAZ wenige Tage später ihren Bericht über unsere Aktion mit der Feststellung: „Schwalben brauchen Freunde“.

Kontakt: Karin von Boeckh, Telefon: (06131) 476988, Email: von.Boeckh @ NABU-Mainz.de


Welch Spektakel ... (I)


von Christian Riedel

[ Richtig! Das Brett hat genügend großen Abstand zu den Nestern und fängt dennoch den Kot auf. (Abstand ca. 60 cm, Breite des Brettes ca. 20 cm) ]
Richtig! Das Brett hat genügend großen Abstand zu den Nestern und fängt dennoch den Kot auf. (Abstand ca. 60 cm, Breite des Brettes ca. 20 cm)

Der NABU Mainz nimmt seit 2008 teil am Projekt „Schwalben willkommen“ und hat bisher 25 Häuser in und um Mainz ausgezeichnet, die Schwalbennester am Haus dulden und fördern. Die Presse hat die Auszeichnungs-Aktionen begleitet und in mehreren Artikeln gewürdigt. Hier ein Bericht eines Teilnehmers am „Auszeichnungsspektakel“ [01/2010]

Die beiden Bilder sind zwei Beispiele für Bretter unter Mehlschwalbennestern, die die Hauswand vor Kot schützen können. (Fotos: Heike Töngi)

[ Nicht gut! Das Brett ist zu nah unter den Nestern; die Schwalben fliegen nicht mehr an! ]
Nicht gut! Das Brett ist zu nah unter den Nestern; die Schwalben fliegen nicht mehr an!

In der Gruppe von Pressereportern, NABU-Vertretern, Anwohnern, Nachbarn und Passanten war ich nicht der Einzige, der so etwas noch nie gesehen hatte: Direkt unter dem Hausgiebel im Hof der Familie K.J.Metzler in Ober-Olm „klebten“ wie auf einer Perlenkette nebeneinander aufgereiht 4 natürliche und 2 künstliche Mehlschwalbennester. Und über unseren Köpfen „summte“ es wie in einem Bienenschwarm: Ununterbrochen flogen Schwalbenpaare rasant zu ihren Nestern zum Füttern ihrer hungrigen Jungen und wieder zurück in die umliegenden Gärten zur erneuten Futtersuche. War das ein aufregendes Bild über uns: viel Hektik, elegante pfeilschnelle Flugbewegungen und lautes Vogelzwitschern. Wie Rainer Michalski in einem Kurzreferat darlegte, sind Mehlschwalben (ganz im Gegensatz zu Rauchschwalben) gesellige Tiere und leben ausschließlich in Kolonien.

Die Reaktionen der Hausbesitzer waren eingebettet in eine heitere, schöne Atmosphäre: Stolz und Freude über die Vogelnester am Haus, Freude über die NABU-Urkunde und auch Stolz über die entsprechende Plakette für die Hauswand. Weitere benachbarte Verwandte und Anwohner kamen hinzu, freuten sich ebenfalls und nahmen voller Interesse unser neuestes „NABUlletin“ in Empfang.


Welch Spektakel ... (II)


von Christian Riedel

... bei der Würdigung und Auszeichnung erfolgreicher Vogelfreunde in der Aktion „Schwalben willkommen“. Familien in Budenheim, Finthen, Gonsenheim, Laubenheim haben wir im Frühjahr 2010 besucht. Persönliche Eindrücke ... [02/2010]

[ Rauchschwalbennest (Foto: Josua Dietze) ]
Rauchschwalbennest (Foto: Josua Dietze)

Auch im Frühjahr 2010 war dieses Ereignis für alle Beteiligten ein beeindruckendes Erlebnis - z.B. unser offizieller Besuch beim Betreiber der großen Saunaanlage in Budenheim, Herrn W. Schnarr:

Zunächst bestaunten wir hoch oben an der Außenwand des Gebäudes mehrere Mehlschwalbennester und überreichten zur Erweiterung dieser Kolonie ein Doppelkunstnest. Herr Schnarr erzählte uns voller Begeisterung, dass und wie er sich seit seiner Jugend für die einzelnen Vogelarten interessiert und sie genau beobachtet hat.

Geradezu sensationell aber war dann der Anblick, der sich uns nach Betreten der angrenzenden riesigen Material-Lagerhalle (einst eine Fabrik) bot: Oben an der Hallendecke „klebten“ in Ecken oder auf Kreuzungspunkten der vielen Rohrleitungen ca. 10 Nester von Rauchschwalben, nicht in Gruppen, sondern jeweils mindestens einige Meter voneinander entfernt: So etwas sieht man heutzutage nur noch selten.

Und wieder berichtete uns Herr Schnarr begeistert und stolz seine Beobachtungen: Nach der Rückkehr aus den Winterquartieren (d.h. etwa ab Monat Mai) fliegen dann diese „seine“ Rauchschwalben ständig pfeilschnell und rasant durch die riesige Halle zu den immer offenstehenden Luken, Fenstern oder Türen auf der Jagd nach Nest-Baumaterial und später nach Futter für ihre Jungvögel; und dies alles mit andauerndem Zwitschern, als gäbe es immerzu etwas Neues zu erzählen. Auch aufregende Fotos habe er gemacht, z.B. wenn die ausgebrüteten Jungvögel gelegentlich voller Neugier über den Nestrand schauen. Und das Fazit, so Herr Schnarr: Ungeziefer gebe es in seiner großen Sauna-Anlage nirgends.

Übrigens das Material für den Bau bzw. den Ausbau der Nester holen sich beide Schwalbenarten aus dem Matsch- und Lehmufer des angrenzenden Teiches, den Herr Schnarr ebenfalls ausgebaut hat. Voller Stolz und sichtlich hoch erfreut nahm er dann dankbar Urkunde und Hauswand-Plakette des NABU in Empfang. Im antiken Rom hätte man dies als höchste Anerkennung für erfolgreichen Einsatz zugunsten des Gemeinwesens etwa so formuliert:

„Herr Schnarr hat sich um das Wohlergehen von Schwalben sehr verdient gemacht.“


Schwalben willkommen (I)


von Karin von Boeckh

Artenschutz-Aspekt


Mehlschwalben und Rauchschwalben haben seit jeher gerne in der Nähe von Menschen gebrütet. Inzwischen stehen sie auf der Vorwarnliste für die „Rote Liste für gefährdete Arten“. Warum? Ihr Lebensraum ist nicht so sehr durch fehlende Nahrung, sondern durch fehlende Nistmöglichkeiten eingeschränkt. Mehlschwalben bauen Nester aus Lehmerde, die sie gerne unter Dachvorständen fest an Häuserwände kleben. Rauchschwalben bauen oben offene Nester aus Lehmerde, die sie in Scheunen, Ställen usw. anbringen. Beide Schwalbenarten brüten kolonieweise; alte Nester werden wiederverwendet.
Ihr Lebensraum fehlt zunehmend, da sie kaum noch Matsch in Menschennähe finden (ein Haus-Neubau zieht dagegen oft Schwalben an!), weil Menschen die Nester abschlagen (Verschmutzung der Hauswände durch Kot).
Als der NABU Rheinland-Pfalz im Jahr 2008 die Aktion startete, Häuser auszuzeichnen, die das Nisten von Schwalben an/in ihren Gebäuden ermöglichen, beschloss der NABU Mainz, diese Aktion in besonderer Weise aufzugreifen.

Umweltpädagogischer Aspekt


Wir wollen möglichst viele Menschen erreichen, um sie für die Schutzwürdigkeit von Schwalben zu sensibilisieren. (Menschen sind beglückt, wenn sie hören: Schwalben vertilgen viele Insekten; ihr Gesang ist wunderschön; sie lassen die Menschen zuschauen bei der Aufzucht ihrer Jungen. Schwalben gelten als Glücksbringer!)
Wir bieten den Menschen Infos und Hilfe beim Bau von Anti-Kot-Brettern an. Wir weisen insbesondere auf die Notwendigkeit hin, in Hausnähe Gefäße mit Matsch und mit Trinkwasser aufzustellen. Wir bieten Kunstnester an.
Viele Menschen zu erreichen ist bisher sehr gut gelungen durch die Auszeichnung von bisher 19 Familien (meist) im Landkreis Mainz-Bingen (in Jugenheim, Heidesheim, Zornheim, Ingelheim, Sörgenloch, Friesenheim, Groß-Winternheim).
Manchmal im Beisein von etlichen Nachbarn, Freunden und auch von Presse überreichten wir der Familie eine Urkunde, eine Plakette und (als Dank und Anregung) ein Doppel-Kunstnest für Mehlschwalben. Vor allen Dingen die Plakette, die sichtbar am Haus angebracht wird, und auch Presseberichte sorgten dafür, dass Menschen aufmerksam wurden, nachfragten, mitmachen werden. Manche Kunstnester wurden auch weitergegeben - eine besondere Anregung für neue Schwalbenfreunde. Weitere Interessenten haben sich bisher gemeldet: 4 Familien in Ober-Olm, 1 Familie in Mainz-Gonsenheim.
[Übrigens: Schon im Jahr 2007 wurde vom NABU Mainz in Jugenheim ein „Haus für Schwalben und Fledermäuse“ an öffentlicher Stelle (Bauhof) aufgestellt. Gebaut hatten es Jugendliche und die Fa. Bernd Süßenberger, die es dann dem NABU schenkte. Die Einweihung am 28.4.2007 zog viele Menschen an.]

NABU-Mitarbeiter im Projekt: Heinfried Greß, Heike Klüppelberg, Christian Zindler, Hildegard Eifler, Josua Dietze, Alexandra Ley, Petra Stüber; Karl-Heinz Schäfer
Pressearbeit: Claudia Freimuth, Rainer Michalski
Projektbetreuung und Ansprechpartner: Karin von Boeckh von.Boeckh @ NABU-Mainz.de