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Projekt Schwarzpappel


NABU-Schwarzpappel-Projekt erfolgreich abgeschlossen!


von Rainer von Boeckh

Seit 2007 hat der NABU Mainz und Umgebung (Rainer von Boeckh, Christoph Willigalla, Heinfried Greß) mit massiver Unterstützung von Dr. Werner D. Maurer (FAWF), Hans-Jürgen Dechent und Armin Scherer im nördlichen Rheinhessen nach artenreinen Schwarzpappeln gesucht. Die Ergebnisse der Untersuchung sind zur Veröffentlichung im „Mainzer Naturwissenschaftlichen Archiv“ in 2012 eingereicht. Im NABUlletin wurde mehrfach darüber berichtet.

Fündig wurden wir in:
  • Mainz- Mombach + -Ebersheim + -Laubenheim
  • Ludwigshöhe
  • Dienheim
  • Oppenheim
  • Bodenheim
  • Harxheim
  • Sörgenloch
  • Essenheim
  • Jugenheim
  • Stadecken-Elsheim
  • Heidesheim
  • Ingelheim
  • Bubenheim
  • Engelstadt
  • Bingen-Gaulsheim
  • Bechtolsheim

Wir haben als Anstoß für Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen den folgenden Brief zusammen mit einer detaillierten Liste aller überprüften Pappeln an zahlreiche Institutionen und Personen geschickt. Die folgende Liste steht damit allen Naturfreunden, aber auch Fachleuten in digitaler Form zur Verfügung. Schauen Sie sich die Schwarzpappel-Vorkommen in Ihrer Heimatgemeinde an!
[ PDF-Dokument ] Europäische Schwarzpappeln (Populus nigra L.) (Brief) Datei-Größe: 91 kB
[ PDF-Dokument ] Genetische Untersuchung potenzieller Schwarzpappeln in Rheinhessen (Liste) Datei-Größe: 58 kB


Die Alte Pappel


von Rainer von Boeckh

Sie haben auch geäugt nach den Pappeln - die Mitarbeiter im Projekt Schwarzpappel: Ob sie Männchen oder Weibchen sind - die Pappeln.

[ (Foto: Karl-Heinz Georgi) ]
(Foto: Karl-Heinz Georgi)

Seit 2007 sind Hans-Jürgen Dechent, Heinfried Greß, Werner Maurer, Armin Scherer, Christoph Willigalla, der Autor und weitere Helfer durch Rheinhessen gezogen, um möglichst viele artenreine Schwarzpappeln zu finden. Es gilt, sie zu schützen, um ein Aussterben durch Flusskanalisierungen, durch Verdrängung durch die überall präsente kanadische Hybridpappel und einfach durch Alterszerfall zu verhindern.
Wir haben von 102 Bäumen Proben genommen und genetisch untersuchen lassen. Wir haben darunter 96 artenreine Schwarzpappeln (94% der Proben) gefunden: eine unerwartet hohe Zahl! Allerdings sind viele Bäume schon recht alt und damit allmählich hinfällig.

[ (Foto: Karl-Heinz Georgi) ]
(Foto: Karl-Heinz Georgi)

Unsere dicksten Schwarzpappeln stehen im Laubenheimer Ried (Brusthöhendurchmesser 212 cm, jedoch 2 Stämme), in Mombach westlich der Schiersteiner Brücke (201 cm) und südlich von Mainz-Ebersheim in der Oberweide (192 cm). Alle drei sind stattliche Baumriesen, jedoch kleiner als die 3 bundesweit dicksten Giganten in Barnim, Greifswald und Rügen, deren BHD knapp über 260 cm liegt (aus „Unsere 500 ältesten Bäume“, 2009, BLV Buchverlag).

Unsere Ergebnisse wollen wir in einer Fachzeitschrift veröffentlichen.


Floristische Kleinode in Rheinhessen ...


von Dr. Werner D. Maurer (FAWF Rheinland-Pfalz in Trippstadt)

... es gibt noch echte Schwarzpappeln in der rheinhessischen Weinsteppe!

[ W. Maurer im Schwarzpappel-Mutterquartier (Foto: Dressler/Maurer) ]
W. Maurer im Schwarzpappel-Mutterquartier (Foto: Dressler/Maurer)

Grau und regenwolkenverhangen war der Himmel am Nachmittag des letzten Samstags (27.) im Januar 2007, als sich unter der Leitung von Rainer von Boeckh eine kleine Truppe unentwegter NABUNaturfreunde (Armin Scherer, Heinfried Greß, zusammen mit Werner Maurer) zusammenfand. Anlass: einige rheinhessische Pappelbäume sollten daraufhin überprüft werden, ob diese denn nun echte europäische Schwarzpappeln (Populus nigra) sind oder die so genannte Hybridform Populus x euramericana darstellen.

Vor Einbruch der Dunkelheit und einsetzendem Regen konnten aber dennoch vier solcher Pappelbäume im Selztal bei Sörgenloch sowie bei Jugenheim in Augenschein genommen werden. Allerdings ist es nicht möglich, mit 100%iger Sicherheit aufgrund von morphologischen und phänotypischen Merkmalen an Stamm, Blättern oder dem Habitus eine Differenzierung in reine Art und Hybridform vorzunehmen.

Zwar wurden von den Teilnehmern keine Wetten abgeschlossen, ob dieser oder jener Baum eine echte Schwarzpappel ist, doch keiner der NABU-Pappelfreunde konnte das aufregende Ergebnis voraussehen: alle vier inspizierten Bäume sind echte europäische Schwarzpappeln!

Wie kam es zu diesem tollen Resultat? Die genetische Analyse macht’s möglich. Allerdings kann diese nicht direkt vor Ort am Baum durchgeführt werden, sondern muss im Labor erfolgen.

Diese moderne Nachweismethode gestattet die Identifizierung von artreinen Schwarzpappeln. Mit Hilfe von so genannten „Isoenzym-Genmarkern“ wird nämlich ein genetischer Fingerabdruck (in etwa ähnlich wie in der Forensik bei der Verbrechensbekämpfung) erzeugt, der dann mit Fingerprints authentischer reiner Schwarzpappeln und Pappelhybriden oder auch anderer hier bei uns wachsender Pappelarten verglichen wird.

Eine solche genetische Datenbank existiert bei der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Hann. Münden, wo sich auch das Zentrum für schnellwachsende Baumarten wie für allen voran - die Pappeln befindet.

Für die genetische Untersuchung eignet sich am besten Blattmaterial, das sich, fest eingeschlossen von umhüllenden Knospenschuppen, noch im Ruhezustand befindet. Für eine genetische Untersuchung muss also noch vor dem Blattaustrieb im Frühjahr die Probenahme durchgeführt werden.

So bezogen sich die eigentlichen Aktivitäten der NABU-Freunde an diesem Tag darauf, bei den einzelnen Bäumen unter Zuhilfenahme von Leiter und Stangensäge erreichbare tiefer hängende Zweige mit Blattruheknospen abzuschneiden.

Doch wie ist Untersuchungsmaterial von einem Baum zu erhalten, wenn keine Zweige unten am Stamm sind und die Blattknospen ausschließlich im hohen Kronenbereich vorkommen? Hochklettern? Zu gefährlich und großteils nicht machbar! Ausgebildete Baumsteiger anheuern? Zu teuer! Den zuständigen Jagdpächter um „Nachbarschaftshilfe pro natura“ bitten? Nicht ganz ohne, doch praktikabel! So auch bei der Samstagnachmittagsaktion im Jugenheimer Wäldchen!

Und so funktionierte es: Schrotflinte (!) vom Jagdpächter angelegt, in die Pappelkrone gezielt, zuvor Sicherheitsabstand aller Anwesenden kontrolliert, die gebannt und konzentriert die Augen nach oben gerichtet haben, dann „Bumm!“ und günstigenfalls fällt ein von den Schrotkügelchen direkt getroffener dünner Ast herunter. Oder es rieseln Zweigstücke herab, die dann auf dem Boden einzusammeln sind - eine höchst spektakuläre, wenngleich nicht ganz ungefährliche Aktion. Aber was tut man nicht alles für die Natur, um ihr - naturverträglich - in die Karten zu schauen!

Mit dem solchermaßen gewonnenen Untersuchungsmaterial wurde die genetische Untersuchung daraufhin an der NWFVA in Hann. Münden durchgeführt - ein herzliches Dankeschön den hessischen Forstgenetikerkollegen an dieser Stelle.

So ist ein nicht gerade echt winterlicher Nachmittag im Rheinhessischen, doch wohl genau mit dem „richtigen“ nassen Schmuddelwetter für die wasserliebende Baumart Schwarzpappel, zu einem erfolgreichen Ende gekommen: mit der nachträglichen Entdeckung, dass es sich bei allen vier als Schwarzpappeln vermuteten Bäumen dank der genetischen Überprüfung tatsächlich um echte artreine europäische Populus nigra handelt.

Da Schwarzpappeln ja zweihäusig sind, sollte jetzt auch noch deren Geschlechtszugehörigkeit festgestellt werden, also welcher Baum männlich ist und welcher weiblich. Damit können diese Bäume auch als Ressource in das rheinland-pfälzische Register der Schwarzpappelbäume aufgenommen werden, um im Maßnahmenkatalog des so genannten Genressourcen-Programms „Erhaltung forstlicher Genressourcen“ der Rote Listen-Gehölzart Schwarzpappel wieder eine aussichtsreiche Zukunft zu schaffen.


Pappeln in Rheinhessen


von Rainer von Boeckh

An Pappeln scheiden sich die Geister. Die Anhänger freuen sich über deren Schnellwüchsigkeit und über den Anblick, wenn sie waldarme Gebiete gliedern und Fließgewässer in der Landschaft markieren. Andere schelten den oft plantagenartigen oder reihenförmigen Anbau der ihrer Meinung nach langweiligen Gehölze.

[ Majestätische Schwarzpappel am Rhein. (Foto: W. Maurer) ]
Majestätische Schwarzpappel am Rhein. (Foto: W. Maurer)

Pappeln gehören zur Familie der Weidengewächse. In Deutschland wie auch in Rheinhessen sind nur 3 Pappelarten seit frühesten Zeiten heimisch, die alle drei eine große Geschwisterliebe zueinander haben und deshalb vor allem als Bastarde („Pappel-Hybride“) vorkommen.

Einheimische (indigene) Pappelarten in Rheinhessen:


 ( 1.)  Zitter-Pappel, Espe, Aspe (Populus tremula)
Sie ist bei uns in lichten Wäldern und an Waldrändern ziemlich häufig. Sie erreicht 10-25 m Höhe.


 ( 2.)  Silber-Pappel, Weiß-Pappel (Populus alba)
Sie ist in Rheinhessen selten und überwiegend gepflanzt oder verwildert. Sie wird oft mit dem Bastard Grau-Pappel (s.u.) verwechselt. Sie wächst in Auwäldern, an Waldrändern und in Hecken und erreicht 15-30 m.


 ( 3.)  Europäische Schwarz-Pappel (Populus nigra)
Sie wächst in Auwäldern oder als Einzelbaum in Talauen und gehört zu den Baumarten, die eigentlich weit verbreitet sein müssten. Stattdessen steht sie als einzige Pappelart als bundesweit gefährdet auf der Roten Liste (3). Der Grund: schlammige Kiesbänke, die sie zur natürlichen Auskeimung braucht, sind durch Flussbegradigungen zumeist verschwunden, und dort, wo sie heute durchaus noch wachsen könnte, ist sie fast überall durch die Anpflanzung der Kanadischen Bastard-Schwarzpappel (s. u.) verdrängt worden. Deutschlandweit kennt man bis dato nur noch etwa 3.000 Altbäume.

Rheinland-Pfalz ist eigentlich kein Schwarz-Pappel-Land, da der Rhein hier durch sein nur geringes Gefälle natürlicherweise kaum Kiesbänke ausbildet. Dennoch gibt es in Rheinhessen – sehr selten – einzelne Exemplare, die von weither angesamt oder auch vor längerer Zeit angepflanzt wurden. Wegen ihrer bundesweiten Bedrohung, der rheinhessischen Seltenheit sowie als Überrest und Charakterart ehemaliger Weichholzauen ist jedoch ein jedes Exemplar bei uns ein floristisches Kleinod und sollte daher geschützt und nach Möglichkeit vermehrt werden. Wie schwierig es ist, Schwarz-Pappeln bei uns zu finden und als artenrein zu identifizieren, zeigt der (..) Artikel von Dr. W. Maurer.
Die Schwarz-Pappel war der Baum des Jahres 2006. Sie erreicht 15-25 m Höhe und wird bis zu 200 Jahre alt. Ihr Holz hat nur eine geringe Nutzholz-Tauglichkeit (früher für Streichhölzer und Spankörbe). Als prägende Weichholzauen-Baumart und insbesondere als Lebensraum zahlreicher Insekten hat sie jedoch einen hohen ökologischen Wert.

Die Schwarzpappel blüht erstmalig nach etwa 10 Jahren. Sie ist zweihäusig – d.h. es gibt männliche und weibliche Bäume – und trägt unauffällige, etwa 10 cm lange Kätzchen-Blüten im April/Mai vor dem Laubaustrieb, wobei die männlichen Kätzchen rot und die weiblichen gelbgrün sind. Die Früchte bilden sich Ende Mai/Anfang Juni und geben die Samen als flauschige Wattebüschel ab. Die Samen sind nur wenige Tage keimfähig und benötigen nackten, feuchten Rohboden. Die Schwarzpappel vermehrt sich auch ungeschlechtlich über Stockausschläge. Die künstliche Vermehrung erfolgt im Frühjahr durch bewurzelte Stecklinge.

[ Schwarzpappel in Sörgenloch - v.li.: Armin Scherer, Heinfried Greß, Rainer von Boeckh (Foto: W. Maurer) ]
Schwarzpappel in Sörgenloch - v.li.: Armin Scherer, Heinfried Greß, Rainer von Boeckh (Foto: W. Maurer)

Pappel-Bastarde und -Mutationen in Rheinhessen


 ( 4.)  Kanadische Bastard-Schwarzpappel (Populus x euramericana, P. x canadensis)
Sie ist ein Kreuzungsprodukt der europäischen Schwarzpappel (P. nigra) mit der nordamerikanischen Schwarzpappel (P. deltoides). Wegen ihrer Wüchsigkeit und besseren Holzqualität wird sie seit 200 Jahren überall angebaut und hat durch weitgehende Verdrängung der einheimischen europäischen Schwarzpappel und durch schlechtere Angepasstheit an unsere mitteleuropäische Fauna und Flora zu einer ökologischen Verarmung geführt. In Rheinhessen wird sie überall kultiviert.

Äußerlich lässt sich die Bastardpappel meist nicht sicher von einer einheimischen Schwarzpappel unterscheiden, so dass ein genetischer Fingerabdruck wie mit der Isoenzym-Analyse erforderlich ist (s.u.). Sie wird 15-25 m hoch.

 ( 5.)  Pyramiden-Pappel, Säulen-Pappel (Populus nigra cv Italica)
Sie ist mit ihren fast senkrecht aufsteigenden Ästen und säulenförmiger Krone eine Mutation der europäischen Schwarz-Pappel und stets männlichen Geschlechts, so dass sie nur vegetativ, d.h. über Stecklinge vermehrt werden kann. Sie wurde bereits vor 250 Jahren, vermutlich aus dem Orient kommend, vielfach in Mitteleuropa einschließlich Rheinhessen als Kulturform (z.B. napoleonische Alleen und Gewässerufer) angepflanzt. Sie hat gar manche Lindenallee verdrängt.

 ( 6.)  Grau-Pappel (Populus x canescens)
Sie ist ein Kreuzungsbastard aus Silber- und Zitter-Pappel. Da sie der Silberpappel ähnlich sieht, gibt es Verwechslungen. In Rheinhessen spielt sie kaum eine Rolle. Sie wird bis 30 m hoch.