Mehlschwalbenschutz eint Naturschützer und Jäger

Manche Tiere verfügen über einen so hohen Sympathiewert, dass unterschiedlich gesinnte Interessengruppen hierüber schon mal ihre ideologischen Gegensätze vergessen können. So geschehen in Jugenheim/Rheinhessen.

Foto: Anita Petri Foto: Anita Petri

Der NABU Mainz und die Jägerschaft der Gemeinde Jugenheim bedauern gleichermaßen, dass die Zahl der Mehlschwalben im Ort von Jahr zu Jahr zurückgeht. Das Problem der Schwalben ist nicht die Nahrungsknappheit, anders als etwa beim Weißstorch. Noch schwirren ausreichend Insekten durch die Luft, die sie im Flug erbeuten. Vielmehr schränken fehlende Brutmöglichkeiten den Lebensraum der Schwalben immer weiter ein. Ein wesentlicher Grund ist der Mangel an Nist- und Baumaterial. Schwalben sammeln Lehm am Boden für den Bau ihrer Nester, doch finden sie infolge der zunehmenden Versiegelung von Plätzen und Wegen kaum noch Lehmpfützen, aus denen sie Baumaterial entnehmen können.

Außerdem sind Schwalben zunehmend auch dadurch unerwünscht, dass während des Brutgeschäftes Hausfassaden und Höfe durch Kot verschmutzt werden. Statt diese unliebsamen Begleiterscheinungen durch das Anbringen eines Holzbrettchens unterhalb des Nestes zu unterbinden, schlagen Menschen immer öfter Schwalbennester einfach ab, sobald die Vögel wieder außer Landes sind, oder verhindern gar von vorneherein einen Nestbau, was jedoch nach Bundesnaturschutzgesetz eine verbotene Tat ist.

Anders als andere Vögel nutzen Schwalben aber ein- und dasselbe Nest jedes Jahr aufs neue, bis es nach etwa zehn Jahren natürlicher Abnutzung zerbröselt. Und ein Nestneubau kostet die Vögel im Regelfall die Zeit, die sie sonst für eine zweite Brut noch übrig hätten.

Der NABU Mainz und Umgebung wollte dem fortwährenden Schwalbenschwund nicht länger tatenlos zusehen. Daher trat unser Vorstandsmitglied Heinfried Greß im März diesen Jahres mit dem Plan an die Ortsgemeinde Jugenheim heran, ein Schwalbenhaus zum Schutz dieser bedrohten Vogelart errichten zu wollen. Bürgermeister Herbert Petri zögerte auch nicht lange und stellte dem NABU spontan einen Standort am neu hergerichteten Bauhof der Gemeinde zur Verfügung. Auch die Jägerschaft hörte von der Idee und bot dem NABU sogleich ihre finanzielle Unterstützung für den Bau des Schwalbenhauses an. Das EWR sponserte unser Vorhaben darüber hinaus mit einem sechs Meter langen Mastbaum aus Beton. Herausgekommen ist letztlich eine wahre Luxusherberge von drei Meter Länge, die durch die drei engagierten Jugenheimer Jugendlichen Tobias Süssenberger, Alexander Luff und Marc Klippel in ihrer Freizeit gezimmert wurde und in gut vier Meter Höhe auf dem Betonmast aufgesetzt wurde. Neben einer großen Anzahl von Kunstnestern für Mehlschwalben bietet das Haus in seinem Giebel obendrein noch reichlich Platz für Fledermäuse, weshalb die passenden Einflugschlitze für diese Tiere gleich mit eingearbeitet wurden.

Am Samstag, den 28. April 2007, übergaben der NABU Mainz und Umgebung sowie die Jägerschaft der Gemeinde Jugenheim das neue Mehlschwalben- und Fledermaushaus im Beisein von Landrat Claus Schick, Ortsbürgermeister Herbert Petri und dem Gemeinderat mit einem kleinen Umtrunk feierlich seiner Bestimmung. Der NABU hofft nun, dass weitere Gemeinden und engagierte Bürger diesem positiven Beispiel folgen werden und den Schwalben durch das Angebot von Nisthilfen ihre Gastfreundschaft erweisen.

Wer sich ein eigenes Bild von unserem Schwalbenhaus machen möchte, findet es wie folgt: Von Stadecken-Elsheim kommend innerhalb des Ortes Jugenheim der abknickenden Vorfahrtsstraße nach Partenheim folgen, die nächste Straße rechts einbiegen (Hintergasse) und nach einigen Metern halb links fahren (Edelsberg). Dort befindet sich der jederzeit zugängliche Bauhof Jugenheim nach wenigen Metern auf der linken Seite.

aus: NABUlletin 02/2007 (Nr. 22), Seite 32f./hk

 

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Frau auf der Wiese - Foto: NABU/Marcus Gloger

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