Ökologische (Stadt-)Beleuchtung

NABU, Stadt Mainz und Stadtwerke klären auf

Beleuchtungskonzept Mainz-Innenstadt: Auf dem Weg zur ökologischen Stadtbeleuchtung
Ludwigstraße in Mainz mit alter Beleuchtung (© Stadtplanungsamt Mainz) Ludwigstraße in Mainz mit alter Beleuchtung (© Stadtplanungsamt Mainz)

Der öffentliche Raum, seine Aufenthaltsqualität und ein attraktives Stadtbild gewinnen zunehmend an Bedeutung. In der Vergangenheit wurden überwiegend die klassische Außenbeleuchtung, die normgerechte Beleuchtung der Straßen und Plätze und einige das Stadtbild prägende Gebäudeilluminationen umgesetzt. Das wachsende ökologische Bewusstsein und die defizitäre Haushaltslage erforderten jedoch eine neue Ausrichtung und setzten in Mainz neue Wertmaßstäbe.

Bereits 2005 hat die Stadt Mainz ein Beleuchtungskonzept für die Innenstadt - in Eigenregie durch das Stadtplanungsamt entwickelt - verabschiedet. Dieses auf die nächsten Jahrzehnte ausgerichtete Konzept gilt als Selbstbindung, um den ökologischen und ökonomischen Umbau der Stadtbeleuchtung schrittweise umzusetzen. Hierzu waren im Vorfeld eine hohe Sensibilität und eine breite Akzeptanz aller Beteiligten erforderlich, die im 1. Mainzer Symposium „Licht im öffentlichen Raum“ 2003 ihren Anfang nahmen.

Das Beleuchtungskonzept umfasst Ziele und Grundsätze, die bei der Erneuerung der Stadtbeleuchtung über die Grenzen der Innenstadt hinweg beachtet werden müssen. Wesentlich sind die wirtschaftlichen Vorgaben wie den Energieverbrauch zu senken, neue Technologien einzusetzen und die Leuchtenvielfalt und die Beleuchtungskosten zu reduzieren. Die ökologische Ausrichtung umfasst die Reduzierung des CO2-Bedarfs, die Vermeidung von Lichtsmog und den Einsatz auf den Insektenschutz abgestimmter Leuchtmittel. Die Erhöhung der Sicherheit und die Vermeidung von Angst-Räumen, sowie die Gestaltung der Stadt mit Licht und Beleuchtung als Stadtmarketing waren weitere Aspekte des Konzeptes.

Ludwigstraße in Mainz mit neuer Beleuchtung (© Stadtplanungsamt Mainz) Ludwigstraße in Mainz mit neuer Beleuchtung (© Stadtplanungsamt Mainz)

Die wesentliche Maxime des Beleuchtungskonzepts, durch die Reduzierung des Energie- und CO2-Bedarfs, die Vermeidung von Lichtsmog und den Einsatz „insektenverträglicher“ Lichttechnik schrittweise die ökologische Stadtbeleuchtung auszubauen, spiegelt sich bei Umsetzung der Lichtplanungen seit 2005 wider:

Die Beleuchtung des Doms zu Mainz als Wahrzeichen der Stadt war zukunftsweisend für die Ausrichtung aller weiteren Lichtplanungen. Durch die Maßnahme, die 2005/2006 umgesetzt wurde, konnte der Energiebedarf um ca. 60 % reduziert werden. Pro Jahr werden ca. 25 t CO2 eingespart. Die Position und Ausrichtung der Strahler wurde so gewählt, dass Lichtsmog weitestgehend vermieden wird.

Erste Erfahrungen mit der Zukunftstechnologie LED konnten ab 2008 durch die Illumination des Mainzer Weihnachtsmarkts, basierend auf einem durch das Stadtplanungsamt Mainz initiierten Workshop, gesammelt werden. So konnte der Weihnachtsmarkt nicht nur an Attraktivität gewinnen, sondern es werden auch pro Saison ca. 4 t CO2 eingespart.

Neben der Gebäudeillumination wird im Bereich der Straßenbeleuchtung durch das europaweite Verbot von Quecksilberdampflampen eine Erneuerung unter Berücksichtigung der ökologischen und wirtschaftlichen Ziele stattfinden.

Was steht an? Im Frühjahr 2012 wird eine Teststrecke eröffnet, in der unterschiedliche mit LED bestückte Leuchten hinsichtlich Wartungsfreundlichkeit, Energiebedarf und Lichttechnik geprüft werden. Darüber hinaus wird das Stadtplanungsamt Mainz in Zusammenarbeit mit den Anwohnern die Akzeptanz, das veränderte Sicherheitsempfinden etc. überprüfen.

Auf dem Wunschzettel ganz oben steht die Beleuchtung des Schillerplatzes. Die Umsetzung eines Konzeptes, das aus einem Gutachterverfahren hervorging, verspricht eine Energiereduzierung von ca. 50 %. Bestehende Kugelleuchten werden durch Lichtstelen ersetzt. Durch die präzise Lichttechnik, mit der gleichzeitig der Platz und die historischen Gebäude illuminiert werden, kann ein wesentlicher Beitrag zur Reduzierung des Lichtsmogs geleistet werden.

„Fazit“ zum Projekt „Ökologische Stadtbeleuchtung“ aus der Sicht der Organisatorinnen

Dass sich Menschen aus unterschiedlichen Aufgabengebieten an einem Abend treffen, um miteinander über ein Thema zu reden, das nicht ohne Konfliktpotential ist, sieht man selten. Doch an jenem Mittwoch, dem 19. Oktober 2011, fand so ein Treffen statt. Die Sternenfreunde, die Stadt Mainz und der Naturschutz waren an diesem Abend vertreten, um sich über das Thema Lichtverschmutzung/ ökologische Stadtbeleuchtung auszutauschen. Trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen war es ein sehr anregender und informativer Austausch, bei dem auch die Stadt Mainz die Möglichkeit bekam, ihr Beleuchtungskonzept darzustellen und zu diskutieren.

Auch im Vorfeld bekam die NABU-Regionalstelle (Heike Töngi) Unterstützung von allen Seiten. Es fand ein Miteinander auf Augenhöhe statt. Jeder hat damit zum Erfolg der Ausstellung auf seine Weise beigetragen. Die Stadtwerke stellten Leuchtmittel und eine Straßenlampe im Fenster des UIZ aus, das Stadtplanungsamt einen aktualisierten Plan zum Beleuchtungskonzept der Stadt.

Es gab ein Fledermausfenster der NABULandesgeschäftsstelle, das über das Leben der Fledermäuse informierte. Drei Referenten erklärten sich bereit, einen Vortrag zu halten und ihre Positionen darzulegen.

Leider waren die Mainzer Zeitungen im Vorfeld bei der Ausstellungsbegleitung nicht präsent. Doch auch dieser Wermutstropfen kann die Freude über das gelungene Gesamt-Projekt „Ökologische Stadtbeleuchtung“ nicht trüben.

(aus Mainzer Müll Magazin 01/12 - mit freundlicher Genehmigung des Entsorgungsbetriebs der Stadt Mainz) (aus Mainzer Müll Magazin 01/12 - mit freundlicher Genehmigung des Entsorgungsbetriebs der Stadt Mainz)

aus: NABUlletin 01/2012 (Nr. 31), Seite 7f./as

 

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Frau auf der Wiese - Foto: NABU/Marcus Gloger

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