Bienen ernähren die Welt

Bienenzüchter im NABU? Ja. Dieter Roth, ehem. stellv. Vorsitzender des NABU Mainz, seit ca. 35 Jahren Steinkauzbetreuer beim NABU, ist 2. Vorsitzender des Imkervereins Mainz und selbst Freizeitimker. Im Sommer 2011 wurde er interviewt.

Dieter Roth bei seinen Bienen (Foto: Claudia Freimuth) Dieter Roth bei seinen Bienen (Foto: Claudia Freimuth)

Herr Roth, wie viele Bienenvölker haben Sie, und seit wann imkern Sie?
Ich habe 3 Bienenvölker, und begonnen habe ich vor ca. 25 Jahren. Damals begann eine schwierige Zeit für die Bienen und die Imkerei. Es waren die ersten Jahre mit der nach Europa eingeschleppten Varroa-Milbe.

Wie kamen Sie zur Bienen-Haltung?
Das war mein Engagement beim NABU, unser Garten, der Kontakt zu Imkern und dass ich sehr gern Honig esse. Als Helfer bei einem Bekannten habe ich angefangen. Bei ihm habe ich den Umgang mit Bienen gelernt und er hat mich auch am Anfang unterstützt.

Was macht das Bienen-Halten für Sie so interessant?
Das ist schwierig zu erklären. Bienen sind das drittwichtigste Nutztier neben dem Schwein und der Kuh. Ohne die Bestäubung der Blüten durch die Bienen sähe es auf der Erde weniger bunt aus und wir hätten wesentlich weniger Nahrungsmittel zur Verfügung. Es ist mir wichtig, zur Erhaltung der Artenvielfalt beizutragen.

Darüber hinaus faszinieren mich Bienen überhaupt. Eine einzelne Biene wirkt im allgemeinen unscheinbar und nicht besonders stark. Doch gemeinsam im Volk; dort ist alles bis aufs Kleinste perfekt aufeinander abgestimmt und die Menge Honig, die ein Bienenvolk einlagern kann, macht das Bienenhalten für mich sehr interessant.

Bienen am Einflugloch (Foto: Claudia Freimuth) Bienen am Einflugloch (Foto: Claudia Freimuth)

War für Sie am vergangenen Bienenjahr 2011 etwas besonders?
Der durch das Wetter beeinflusste schnelle und fast gleichzeitige Blühbeginn der Frühtrachtpflanzen hat trotz der Trockenheit im Frühjahr sehr schnell Nektar im Überfluss gebracht. Die Blühfolge der Pflanzenarten war wesentlich kürzer als in anderen Jahren. Das hat das Wachstum der Bienenvölker sehr beschleunigt. Wir Imker mussten früher als sonst aufpassen, dass die Völker nicht in Schwarmstimmung kommen. Das passiert schnell, wenn es im Bienenstock zu eng wird. Das Schwärmen der Bienen ist deren natürliche Vermehrung. Die Bienen ziehen von selbst neue Königinnen. Kurz bevor die erste neue Königin schlüpft, zieht die bisherige Königin mit einem Teil des Volkes aus dem Stock, das sich dann z.B. irgendwo an einen Ast hängt.

Der Überfluss hat mich natürlich auch gefreut. Meine Frühjahrsernte dieses Jahr betrug 95 kg Honig von 3 Völkern! Das war für mich der bisher größte Honigertrag im Frühjahr. Leider waren dann die Trachtpflanzen viel zu schnell verblüht, so dass die Wildbienen und die Hummeln auch kein Nahrungsangebot mehr hatten, und ich musste bei meinen Völkern schon viel früher als in anderen Jahren zufüttern.

Ist Imkerei ein besonders aufwendiges Metier?
Nein, streng genommen benötigt man nur einen Kasten oder wie früher einen Korb und ein Küchentuch, in das man die mit Honig gefüllten Waben gibt und den Honig auspresst. Das ist natürlich nicht sehr effektiv. Eine Grundausstattung für den Anfang - Stock, Schleuder und hilfreiches Handwerkszeug bekommt man schon günstig gebraucht. Anfänger, die in einem Verein Mitglied sind, können auch einen Zuschuss aus Fördermitteln bekommen.

Leider werden die Kosten vor allem für die kleinen Imker, sobald sie Honig in den Verkauf bringen, durch die vielen Vorgaben so hoch, dass sie die Zahl der Völker reduzieren oder ganz aufgeben.

Wie sehen Sie die Zukunft der Imkerei und der Bienen?
Ein großes Problem ist, dass nur sehr wenige junge Menschen an diesem Hobby Interesse haben. Ich hoffe, dass die Bienen ihren Bedrohungen trotzen. Doch ohne Nachwuchs in der Freizeit- und kleinen Nebenerwerbsimkerei wird der Honig wohl irgendwann nur noch aus Großimkereien kommen, und auch hier wird die Vielfalt verloren gehen.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis während Ihrer Tätigkeit als Imker?
Dieses schönste Erlebnis ist jedesmal, wenn der Honig aus der Schleuder fließt.

Was wünschen Sie sich für die Bienen?
Ich wünsche mir, dass mehr Bienennährpflanzen, Bäume, Sträucher, Stauden und einjährige Blütenpflanzen gepflanzt und gepflegt werden. Das wünsche ich mir von allen Grundstücksbesitzern gleichermaßen ob privat, gewerblich oder öffentlich sowie von Verbänden wie dem NABU, Kommunen, der Deutschen Bahn AG, Straßenverwaltungen u.s.w.

aus: NABUlletin 01/2012 (Nr. 31), Seite 34f./cf

 

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Frau auf der Wiese - Foto: NABU/Marcus Gloger

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