NABU-Schutzgebiete: Jugenheim & Co.

Biotoppflege hört nie auf – ein Jahresrückblick auf 2015

Bei den über 15 Hektar Flächen in Jugenheim handelt es sich um alle Arten von Wiesen, die mindestens einmal im Jahr gemäht oder beweidet werden müssen. Nur wenn dies geschieht, bleiben die Artenvielfalt und der Charakter erhalten. Ohne die Schafherde unseres Vorstandsmitglieds Heinfried Greß wäre dies überhaupt nicht zu leisten.

Rekordteilnahme mit über 35 Helfern beim Abräumen der Jugenheimer Biotopflächen (Foto: Christian Henkes) Rekordteilnahme mit über 35 Helfern beim Abräumen der Jugenheimer Biotopflächen (Foto: Christian Henkes)

Die Schafbeweidung

NABU-Aktive bei der Biotoppflege in Jugenheim. (Foto: Cristian Henkes) NABU-Aktive bei der Biotoppflege in Jugenheim. (Foto: Cristian Henkes)

Nach der Schafschur (siehe auch NABUlletin 2/2015 S. 42) im Mai – bei der viele Hände mit anpackten – begannen unsere wichtigsten Landschaftspfleger ihren „Rundlauf“ von Fläche zu Fläche. Für uns Aktive ist es sehr schön, dass die Schafe die Hauptarbeit tun. Allerdings konnte ich jetzt miterleben, was trotzdem noch alles so dazugehört.

Bevor die Tiere auf eine neue Fläche kommen können, ist einiges zu tun. Eine Schneise rund um die Fläche muss gemäht werden (das ist an manchen Stellen ziemlich steil). Auf dieser Schneise muss dann der mobile Elektrozaun gestellt werden – und geprüft werden, dass er auch funktioniert! Wasser muss herbeigeschafft werden. Dann kommt der spannende Teil: Das Umtreiben der Herde. Nicht immer haben die Schafe den gleichen Weg im Kopf wie ihre menschlichen Treiber – aber am Ende sind dann immer alle dort gewesen, wo sie hin sollten. Einmal jedoch musste „Peter“ - eines der alten Leittiere – extra von einem anderen Standort geholt werden, um die jungen Tiere zu führen.

Wie lange die Schafe auf einer Fläche bleiben können, lässt sich vorher immer nur ungefähr abschätzen. Die Trockenheit in diesem Jahr führte dazu, dass die Tiere sehr schnell eine Fläche abgeweidet hatten und umgestellt werden mussten – teilweise schon nach drei Tagen. Und immer wieder muss dazwischen das Wasser und der Zaun kontrolliert werden. Haben die Schafe eine Fläche verlassen, bleibt Arbeit zurück: Der Zaun muss wieder abgebaut werden und sehr häufig sowohl die Clematis als auch der Hartriegel mit Freischneidern nachbearbeitet werden – die Schafe fressen nicht alles.

Um eine ungewollte Vermehrung zu vermeiden, mussten irgendwann die jungen Böcke aus der Herde genommen werden. Auch dies eine Arbeit für viele Helfer und mit vielen Gattern. Und danach gibt es zwei Herden (eine weibliche und eine männliche), die von Fläche zu Fläche getrieben werden müssen. Und so ziehen die Schafe einmal rund um Jugenheim – und die Biotoppfleger hinterher und vorneweg, damit alles passt.

Unsere wichtigsten Biotoppfleger – die Schafe – werden von einer auf die nächste NABU-Fläche geführt. (Foto: Julia Rau) Unsere wichtigsten Biotoppfleger – die Schafe – werden von einer auf die nächste NABU-Fläche geführt. (Foto: Julia Rau)

Noteinsätze

Kurzfristig waren oft auch schnelle Maßnahmen erforderlich. Bäume mussten gegossen werden oder auf verschiedenen Flächen das Jakobs-Greiskaut – giftig für Schafe – gerupft werden, ehe diese dort weiden konnten. Gerade für letzteren Einsatz hatten wir ganz kurzfristig um Hilfe gebeten – und über 20 Personen kamen! Eine tolle Hilfsbereitschaft für uns Biotoppfleger.

Auch für das leibliche Wohl wird nach getaner Arbeit bei den Pflegeeinsätzen gesorgt. (Foto: NABU Mainz) Auch für das leibliche Wohl wird nach getaner Arbeit bei den Pflegeeinsätzen gesorgt. (Foto: NABU Mainz)

Die großen Pflegeeinsätze

Viele unserer Aktiven kennen die Biotoppflege vor allem durch die großen Pflegeeinsätze der Ortsgruppe – immer wieder ein schöne Gelegenheit, sich an der frischen Luft mit anderen zu betätigen. Im Pflegejahr 2015 hatten wir drei Einsätze:

  • das Abräumen der Flächen Luf und Reuter,
  • das Abräumen der Flächen am Oberen Gehölz,
  • die Pflege der Hecken und Wiesen an den Saubachteichen.
Damit diese Einsätze gut ablaufen können, ist die ominöse „Vorpflege“ nötig. Das Gras muss mit Balkenmäher und Freischneider gemäht werden, damit es fertig für die Ortsgruppeneinsätze bereitliegt. Immer hatten wir bei dieser Arbeit Hilfe, Danke dafür.

Bei den Ortsgruppeneinsätzen bekommen wir nicht nur Hilfe durch unsere Aktiven, sondern auch darüber hinaus. So ist der Internationale Bund (IB) immer wieder mit dabei. In diesem Jahr hat uns die Wandergruppe der Uni Mainz rund um Bernd Schelker mehrmals tatkräftig unterstützt. Und besonders ist zu nennen, dass wir bei allen Einsätzen die Hilfe der syrischen Flüchtlinge hatten, die in Jugenheim wohnen und von Angelika Fingerhut betreut werden. Immer waren zwischen 20 und 35 Personen im Einsatz – eine Menschenmenge, die vorher selten auf unseren Flächen zu sehen waren.

Vielleicht haben es einige bemerkt: Wir hatten aufgrund von Anmeldungen mit vielen Personen gerechnet. Und deshalb sollte sichergestellt sein, dass die gemeinsame Arbeit nicht schon nach einer halben Stunde beendet ist. Deshalb haben wir in den Tagen vor den Einsätzen immer auch noch einige zusätzliche Pflegemaßnahmen vorbereitet – meistens Entbuschungen. In diesem Jahr wurden alle unsere Flächen so intensiv gepflegt, dass man es ihnen auch ansieht!

Nach einem Jahr lässt sich aus der Erfahrung sagen – Biotoppflege hört nie auf! Und vor allem: Ohne einen Mann, der nebenher noch tausend und eine Kleinigkeit erledigt, wäre es nicht machbar. Überrascht war ich, immer wenn ich nach Jugenheim kam, was Heinfried noch so in der Zeit neben unserer gemeinsamen Arbeit erledigt hat – so z. B. das Einfahren des gemachten Heus für die Winterfütterung. Wir gehen zuversichtlich in die nächste Pflegesaison 2016, denn durch die intensive Arbeit der vielen Helfer sind wir auf einem sehr guten Weg. Bis im nächsten Jahr in Jugenheim.

aus: NABUlletin 01/2016 (Nr. 39), Seite 7 ff./ce