In der Stadt Mainz: Grüne Brücke

Die naturnahe Gestaltung der Grünen Brücke – eine Zwischenbilanz

Das Thema Stadtökologie ist in Mainz en vogue. Die Bienen auf dem Dach der Präsidenten-Suite des Hyatt-Hotels, das Gartenfeld des BUND in der Forsterstraße oder auch die Nutzpflanzen am Schillerplatz waren in den letzten Wochen Gesprächsthema in unserer Stadt. Seit 2011 bereits leistet auch der NABU mit der naturnahen Umgestaltung der Grünen Brücke in der Mainzer Neustadt seinen praktischen Beitrag für mehr Natur in der City.

Große Wollbiene (Foto: Andreas Lukas) Große Wollbiene (Foto: Andreas Lukas)

Das Thema Ökologie in der Innenstadt ist viel mehr als nur eine Modeerscheinung. Seit sich die Umweltverbände gemeinsam mit der Stadtverwaltung auch in dieser „Biosphäre“ engagieren, gelingen zunehmend interessante Naturbeobachtungen. Das Wanderfalkenpärchen, das auch in diesem Jahr wieder unüberhörbar den Luftraum in der südlichen Neustadt beherrscht, ist bereits ein Klassiker. Demgegenüber war im April auf der Grünen Brücke spektakulär zu beobachten, wie sich ein Turmfalke in der Efeuhecke für die Bewohner eines Amselnestes interessierte. Das Amselmännchen stürzte sich immer wieder von einer Platane auf den Greifvogel herab, bis dieser dann doch wieder verschwand – nach Wiesbaden. Direkt am gegenüberliegenden Rheinufer, Höhe Rathenauplatz, hat das Turmfalken-Pärchen ein altes Krähennest in einer Pappel übernommen. Turmfalken haben in den Städten das Problem, ausreichend Nahrung zu finden, weil es wenige Grünflächen zur Mäusejagd gibt. Deshalb haben sie in den Städten ihr Jagdverhalten angepasst und erbeuten hier auch kleine Singvögel.

Schwarzwerdender Ginster (cytisus nigricans) mit Sonnenröschen (vorne) auf der 2. Ebene, Aufgang Feldbergstraße (Foto: Andreas Lukas) Schwarzwerdender Ginster (cytisus nigricans) mit Sonnenröschen (vorne) auf der 2. Ebene, Aufgang Feldbergstraße (Foto: Andreas Lukas)

Neben ersten Libellen-Beobachtungen hat mich in diesem Jahr auf der Grünen Brücke v.a. der kleine, aber auffällige Kurzschwänzige Bläuling erfreut, eine Schmetterlingsart, die von der Oberrheinregion her gerade auch bei uns immer mehr heimisch wird. Übrigens können Sie alle Naturbeobachtungen nachlesen und auch selbst Ihre eigenen veröffentlichen auf der NABU-Website  www.naturgucker-rlp.de.

Pflanzaktion im April 2013 (Foto: Andreas Lukas) Pflanzaktion im April 2013 (Foto: Andreas Lukas)

Natürlich haben wir auch in diesem Jahr wieder die naturnahe Umgestaltung vorangetrieben mit einer Pflanzaktion im April. Der Schwerpunkt lag diesmal auf Gehölzen (Herlitze, Zwerghainbuche) und späten Blühern wie Ysop, Fette Henne oder Schneeheide als Nährpflanzen für Insekten in der blütenarmen Phase der Vegetationsperiode. Sachlich eingerahmt wurde die Maßnahme von der Moor-Schutzkampagne des NABU. Denn die Verwendung von torffreier Erde stellt einen konkreten Beitrag zum Erhalt unserer letzten Moore dar, wozu sich jeder Gärtner verpflichten sollte. Für den Herbst planen wir gemeinsam mit der Naturgärtnerei Ahornblatt die Anlage eines Kräuterbeetes mit Lavendel, Schafgarbe & Co.

Felsenstorchschnabel am Aufgang Feldbergplatz (Foto: Andreas Lukas) Felsenstorchschnabel am Aufgang Feldbergplatz (Foto: Andreas Lukas)

Obwohl auch mal was daneben geht und es noch diverse Baustellen auf den Beeten gibt, so genießt das Projekt hohe Akzeptanz. Für die Journalistin Stefanie Jung gehört die Grüne Brücke zu den „111 Orten in Mainz, die man gesehen haben muss“. Die Künstlergruppe „uah“ hat im Rahmen der Ausstellung „Mainzer Drucke“ im Rathaus ihre Sicht auf das NABU-Objekt verarbeitet (anzuschauen auf der Homepage www.uah.de > Mainzer Drucke > Park). Vielleicht rührt das auch daher, dass sich der NABU selbst am Spendensammeln für die Brunnen beteiligt hat, indem er die „Mainzer Brunnen Nixen“ mit Sonnenröschen der Naturgärtnerei Ahornblatt versorgte. Das war eine öffentlichkeitswirksame Aktion für mehr heimische Stauden, denn jeder Spender bekam ein Sonnenröschen, die jetzt zur Freude so mancher Biene die Balkonkästen in der Mainzer Innenstadt zieren.

aus: NABUlletin 02/2013 (Nr. 34), Seite 16 f./al