In der Stadt Mainz

Ein grünes Kleinod mitten in der Stadt

42 geschützte Vogelarten wie den Pirol und seltene Pflanzenarten wie die flockige Königskerze auf ca. 8 Hektar – und alles mitten in der Mainzer Innenstadt – so was gibt es noch?

Ein Teil des Zitadellengrabens (Foto: Christian Henkes) Ein Teil des Zitadellengrabens (Foto: Christian Henkes)

Ja, gibt es. Allerdings ist möglicherweise auch den am Naturschutz interessierten Bürgern unbekannt, welch wertvolles Biotop versteckt auf der Mainzer Zitadelle existiert.

Gemeint ist hier der Teil der Zitadelle, der seit 1986 als geschützter Landschaftsbestandteil unter Schutz steht. Das Areal erstreckt sich über den südlichen Graben inklusive Mauern mit den Bastionen Germanicus und Drusus sowie die Erdwälle auf den Mauern. Es stellt eine naturbelassene Insel innerhalb des Mainzer Grüngürtels dar.

Entscheidend für die Entwicklung des Biotops war der „Dornröschenschlaf“, in dem sich die Zitadelle lange Zeit befand. Während sich im gleichnamigen Märchen nur eine undurchdringliche Dornenhecke um die schlafende Schöne entwickelte, entstand auf der Zitadelle ein vielfältiger Zufluchtsort bedrohter Tiere und Pflanzen, der mittlerweile einen urwaldartigen Charakter hat.

Bestandserfassungen von 2004 und 2006 konnten 447 Tier- und Pflanzenarten nachweisen, darunter 66 Rote-Liste-Arten wie z.B. den Pirol und die Mönchgrasmücke, den Großen Abendsegler und die Langhornbiene. Daneben zählen die Mauern zu den landesweit bedeutendsten Moos- und Flechtenbiotopen.

Nun ist die Zitadelle nach dem rheinlandpfälzischen Denkmalschutzgesetz auch als Kulturdenkmal geschützt und soll als solches erhalten werden und den Bürgern zugänglich sein. Erfordernisse des Denkmalschutzes – besonders die Sanierung der Mauern – können Eingriffe auch in die Natur beinhalten.

Hier gilt es, zu einem Ausgleich zwischen Natur- und Denkmalschutz zu kommen. Um dies zu erreichen, gab es von 2006 bis 2008 ein von der DBU gefördertes Projekt der ökologischen Mauersanierung in einem Teilsegment des Zitadellengrabens.

Auf dem Schild: ein deutlicher Hinweis auf „Geschützter Landschaftsbestandteil“ (Foto: Christian Henkes) Auf dem Schild: ein deutlicher Hinweis auf „Geschützter Landschaftsbestandteil“ (Foto: Christian Henkes)

Die in diesem Projekt gewonnenen Erkenntnisse flossen in einen „Leitfaden ökologische Mauersanierung“ ein.

Aus der Sicht des Naturschutzes muss dieser Leitfaden die unverrückbare Basis der weiteren Sanierungsschritte sein, bei denen analog zum Pilotprojekt alle betroffenen Akteure einzubinden sind – auch und gerade die Mainzer Naturschutzverbände.

Unabhängig von der Behandlung sanierungsbedürftiger Bauteile ist es notwendig, auch die weitere Nutzung der Zitadelle durch Naherholung und Festivitäten im Auge zu behalten. Zwar soll auch der geschützte Teil für den Bürger erfahrbar sein, allerdings auf eine Weise, die nicht durch touristische Nutzung zu einer Verschlechterung der ökologischen Wertigkeit führt.

Der geschützte Landschaftsbestandteil auf der Zitadelle stellt in seiner Gesamtheit aus der Sicht des Naturschutzes ein Kleinod für die Ökologie der Stadt dar, er ist Rückzugs- und Lebensraum von unersetzlichem Wert – und er muss es bleiben!

aus: NABUlletin 01/2012 (Nr. 31), Seite 13 f./ch